• Spotlight24
  • 5Allgemein
  • 5Bericht
  • powered by
  • Icon List Item

Lange Freude an neuer Kleidung haben

März 10, 2026 | Allgemein

Über die aktuellen Modetrends und die Themen der Textilbranche sprach die Redaktion mit Mitarbeitern des Modehauses Zinser in Bad Mergentheim. Über die aktuellen Modetrends und die Themen der Textilbranche sprach die Redaktion mit Mitarbeitern des Modehauses Zinser in Bad Mergentheim. © Sascha Bickel
Modebranche: Trotz schwieriger Wintersaison sieht sich das Modehaus Zinser in Bad Mergentheim als wirtschaftlich „gut aufgestellt und gesund“ an. Trends wecken neue Hoffnungen.

Von Sascha Bickel

Das Modehaus Zinser in Bad Mergentheim spürt wie viele andere auch die Branchenflaute: Die Kunden kaufen vorsichtiger, das Winter- und Weihnachtsgeschäft blieb hinter früheren Jahren zurück. Geschäftsleiter Eugen Geier betont jedoch: Das Haus sei „gesund“ und „gut aufgestellt“ – trotz schwieriger Lage wird investiert und neues Personal gesucht. Mit ihm und seiner Stellvertreterin Irena Follmann sprach die Redaktion über die Herausforderungen der Modebranche und die Trends für das Frühjahr und den Sommer.

„Die Modebranche tut sich extrem schwer in dieser Wintersaison“, sagt Geschäftsleiter Eugen Geier. Selbst das Weihnachtsgeschäft sei „nicht wie in den Vorjahren“ gelaufen. Der Ton ist nüchtern, die Analyse klar: Die Menschen halten ihr Geld zusammen. Die Gründe dafür sind vielschichtig. Da sind die gestiegenen Lebenshaltungskosten, die am Monatsende weniger Spielraum lassen. Da ist eine weltpolitische Lage, die verunsichert. Und da ist – ganz banal – das Wetter: ein langer Winter, der „nicht gerade zum Shoppen einlädt“. Geier spricht auch vom Dominoeffekt des Sparens: Wer im Supermarkt häufiger zur Eigenmarke greift, schiebt den neuen Pullover erst recht nach hinten. Mode, so scheint es, ist wieder das Erste, was man sich verkneift, wenn das Geld knapp wird.

Trotz schwieriger Wintersaison und zurückhaltender Kundschaft sieht sich aber das Modehaus Zinser in Bad Mergentheim als wirtschaftlich „gut aufgestellt und gesund“ an: „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht“, so Eugen Geier. Es gebe keinen Grund zum Jubeln, aber im Branchenvergleich stehe man solide da. Am Standort wird weiter investiert, unter anderem in den Brandschutz. Man hat derzeit 38 Beschäftigte und dazu einige offene Stellen.

Kaufen – aber nur noch mit Sicherheitsnetz

Im Gespräch mit Irena Follmann, der stellvertretenden Geschäftsleiterin, wird spürbar, wie sehr sich das Einkaufsverhalten verschoben hat. „Der Kunde möchte inzwischen zu 120 Prozent sicher sein, dass er dieses Teil jetzt möchte und braucht.“ Das ist nicht nur eine Floskel – es ist ein neuer Takt im Laden: weniger spontane Komplett-Outfits, mehr punktuelle Ergänzungen. Statt der neuen Winterjacke wird die vom Vorjahr weitergetragen, dafür geht eher ein Hemd, ein Pullover oder ein Unterziehteil über die Ladentheke.

Follmann ist seit über 20 Jahren in der Branche tätig und beobachtet diesen Wandel schon lange: Früher habe man für ein anstehendes (Familien-)Fest „von Kopf bis Fuß“ neu gekauft. Heute wird zuerst der Schrank geprüft – und dann gezielt ergänzt. Männer seien dabei oft noch pragmatischer: „Sie kaufen, wenn etwas kaputt ist oder ein Termin drängt.“ Frauen, sagt Geier, seien „eher noch die Impulskäufer“ – das Shoppingerlebnis spiele weiterhin eine größere Rolle.

Teure Teile brauchen inzwischen eine andere Überzeugungsarbeit: „Kunden überlegen bei teuren Klamotten noch länger, müssen gar zu 150 Prozent überzeugt sein“, sagt Follmann. Viele hätten ein Preislimit „im Kopf gesetzt“. Das Modehaus Zinser reagiert, indem Alternativen angeboten werden – für Kundschaft, die bewusster kalkuliert.

Auch mit Veranstaltungen wird um Frequenz geworben: Die Ladies-Night – zweimal im Jahr, mit Modenschau, Kooperationspartnern und Late-Night-Shopping – ist ein Format, das Erlebnis und Verkauf verbindet. Dazu kommen verkaufsoffene Sonntage und Nachtbummel-Termine der Citygemeinschaft. Und ab Ende März soll ein Partner-Bonusheft mit der Zinser-Card zusätzliche Anreize schaffen.

Denim und „Besch-Varianten“ – Trends Richtung Frühjahr/Sommer

Nach der dunklen Saison soll es heller werden: Follmann beschreibt den Farbwechsel von „Schokolade und Wein“ in der aktuellen Wintersaison zu mehr Helligkeit und Lebendigkeit. Beige-Nuancen – im Hausjargon „Besch-Varianten“ – sind die Basis, dazu kommen Rosé- und Grüntöne. In Damen- und Herrenabteilungen sieht sie „schöne Strickqualitäten“, sportlich wie elegant.

Geier verweist auf ein Comeback bei den Modetrends, das viele freuen dürfte und wiedererkennen werden: Denim. Jeansstoff erlebt ein Revival – nicht nur als Hose, sondern auch als Hemd, Bluse oder Jacke. Neue Schnitte, dunklere Waschungen, lässige Silhouetten: Denim passt zur Zeit, weil er robust ist – und weil er das Versprechen von Alltagstauglichkeit mitliefert.

Beratung als Gegenmodell zur Fast-Fashion

Während online oft schnell geklickt wird, setzt Zinser auf das, was im Laden spürbar bleibt: Zeit, Kombinationen, Passform. „Die persönliche Kundenbedienung ist Teil unserer DNA, wir legen großen Wert drauf“, sagt Geier. Follmann ergänzt, viele kämen gezielt wegen Service und Beratung – auch aus dem Würzburger und Heilbronner Raum. Der stationäre Handel spiele seine Stärke aus, wenn Outfits markenübergreifend zusammengestellt werden, wenn man anprobiert, verwirft, neu kombiniert.

Besonders deutlich werde das bei sensiblen Sortimenten wie Unterwäsche: Der „erste BH“, wenn Mutter mit Tochter kommt – da sei Beratung „Gold wert“. Und für alle, die es exklusiver wollen, gibt es im Zinser-Team extra ausgebildete Private-Shopperinnen: Termin, zwei bis drei Stunden intensive Betreuung, einmal durchs Haus – gerne genutzt von Frauen und Männern.

Und wie steht es um Klimaschutz und Nachhaltigkeit in der Branche? Fragen die Kunden danach? Vereinzelt tauchen diese Themen in Kundengesprächen auf, aber nicht als dominantes Kaufmotiv. Follmann sagt: „Es gibt immer mal wieder Nachfragen, aber insgesamt eher wenig.“ Geier verweist auf Transparenz und bekannte Marken im eigenen Sortiment, über deren Standards man sich informieren kann. Und zieht eine klare Linie: „Fast-Fashion – das haben wir nicht. T-Shirts für fünf Euro, die man nach dreimal Waschen wegwerfen kann. Wir wollen das nicht.“ Der Leitsatz, der über vielem steht: „Der Kunde soll lange Freude an seiner neuen Kleidung haben.“

Baustelle Innenstadt

Eine große Herausforderung für 2026 und die Folgejahre sieht Geier nicht im nächsten Trend, sondern im Stadtbild vor Ort, hier in Bad Mergentheim, aber auch anderswo: „Die Frequenz in den Innenstädten ist das große Thema.“ Die Menschen gingen bummeln, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. In der Kurstadt müsse die Aufenthaltsqualität weiter gesteigert werden, so Geier, vor allem samstags – früher ein klassischer Shoppingtag, doch in Bad Mergentheim ein Problem. Seine Idee: ein gemeinsamer Kern – verlässlich offene Geschäfte bis 16 oder 17 Uhr, damit sich der Weg lohnt. Follmann denkt weiter: Wer mit Freundinnen kommt, will mehrere Läden besuchen, einen Kaffee trinken, vielleicht etwas essen. Es geht um Verweilqualität – und um die Gastronomie, die auch am Samstagnachmittag funktionieren muss.

Bad Mergentheim, sagen beide, müsse aufpassen, nicht unattraktiver zu werden. Zwei Stunden kostenloses Parken seien gut, aber nur ein Baustein und nicht entscheidend. Entscheidend sei, ob die Stadt wieder ein Ort wird, an dem Menschen gern Zeit verbringen – und dabei vielleicht doch wieder Lust bekommen, ein Teil mehr mitzunehmen als geplant.

Modetrends 2026:
  • 2026 stehtim Zeichen von Ruhe, Qualität und „Quiet Luxury“ : weg von Fast-Fashion, hin zu langlebigen Investitionsstücken und gepflegter, erwachsener Coolness. Silhouetten werden strukturierter – mit betonter Taille, teils akzentuierten Schultern, dazu weiche, hochwertige Materialien. Trendfarben sind Beige-Braun (Macchiato), Signalrot, Eisblau, Erdtöne und das neue Neutral (Grau) – aber auch Creme- (wie „Cloud Dancer“), Grün- und Pastelltöne prägen den Frühling/Sommer. Als Materialien setzen Cord, Samt, Leder, hochwertige Naturmaterialien, Satin und Spitze Akzente.
  • Weite Hosen bleiben ein Schlüsseltrend: Palazzo- und Marlenehosen, Culottes sowie Ballon- und Barrel-Jeans sind angesagt. Highlights setzen Statement-Knitwear und handwerkliche Details wie 3D-Blumen, Spitze, Fransen und Stickereien. Hochwertiges Denim ist dieses Jahr essenziell, oft als Teil strukturierter Looks. Dazu geraten wieder Velours-Lederjacken in den Fokus.
  • Die Mode kehrt zu klareren Formen zurück, bei denen die Taille betont oder zumindest angedeutet wird. Modern Minimalism ist in: der Minimalismus mit Details wie Verzierungen, Raffungen und Drapierungen verbindet. Stichwort „Längere Oberteile“: Anstelle von extremen Crop-Tops werden Pullover bevorzugt, die auf der Hüfte enden oder in den Hosenbund gesteckt werden.
  • Beim Layering gilt: bewusstes Proportion-Playing mit Schichten (zum Beispiel lange Mäntel über kurzen Blazern). Der Einzug von Spitze, Häkeleien und Stickereien prägt die handwerkliche Seite.
  • Die Experten des Modehauses Zinser bestätigten unserer Zeitung die aufgezählten Modetrends, über die unter anderem auch die Vogue Germany und der „German Fashion“ Modeverband Deutschland e.V. schon öffentlich berichteten. sabix

DIESEN ARTIKEL TEILEN

Unternehmen im Spotlight

Mehr zu diesem Unternehmen