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Strom, Schafe, Industrie

Apr. 15, 2026 | Allgemein

Grundstückseigentümer Georg Tittl mit seinen Schafen auf dem Areal des Solarparks Harthausen. © Klaus T. Mende

Warum der Solarpark Harthausen Schule machen sollte – für das Klima und die Wirtschaft.

Von Klaus T. Mende

Auf einer etwa fünf Hektar großen Fläche gegenüber der Firma Wittenstein SE in Igersheim-Harthausen glitzern knapp 9.000 Solarmodule in der Sonne – wenn sie scheint. Doch wer genauer hinsieht, erkennt, dass hier die Uhren etwas anders ticken. Unter den auf 1,20 Meter angehobenen Modulkanten grasen nämlich friedlich Schafe. Und: Der Solarpark Harthausen ist kein gewöhnliches Kraftwerk – er ist eine Art Kampfansage an die Trägheit der Energiewende.

Etwa vier Jahre dauerte der Weg von der ersten Skizze bis zur feierlichen Eröffnung am Montagmittag. Vier Jahre, in denen aus einer zunächst ambitionierten Idee ein Modellprojekt realisiert wurde, das zwei drängende Probleme dieser Zeit gleichzeitig löst: den Hunger der Industrie nach bezahlbarer, grüner Energie und den Schutz wertvoller landwirtschaftlicher Flächen.

Symbiose statt Konkurrenz: „Agri-PV“ in Perfektion

Das Zauberwort heißt „Agri-Photovoltaik“. Während klassische Solarparks oft wertvollen Boden versiegeln, setzt man in Harthausen auf Koexistenz. „Wir wollen auf Äckern bauen, die ökologisch keinen extrem hohen Wert haben, um dort den besten Mehrwert für uns alle zu schaffen“, erklärt Projektentwickler Fabian Klaus von Suntec mit Sitz in Wolkshausen. Das Ergebnis: Über 80 Prozent der Fläche bleiben landwirtschaftlich weiterhin nutzbar.

Grundstückseigentümer Georg Tittl identifiziert sich voll und ganz mit seiner Landwirtschaft. Dass er sein Land für die Solarpanels hergab, mag anfangs im Ort nicht ganz unumstritten gewesen sein. Doch das Konzept habe ihn schließlich überzeugt, sagt er. Die Reihenabstände seien bewusst auf vier Meter verbreitert worden, damit er mit seinem Maschinenpark problemlos das Futter für seine Kühe ernten könne. „Die Nutzung ist fast genauso möglich wie vorher“, betont Florian Golinski, Geschäftsführer von Suntec. „Und die Schafe machen eigentlich die meiste Arbeit bei der Grünpflege.“

Was den Solarpark Harthausen jedoch weit über die Region hinaus zum Vorzeigeprojekt ,acht, ist die technische Anbindung. Während andere Parks nämlich ihren Strom mühsam durch das oft überlastete öffentliche Netz schleusen, fließt die Energie hier auf direktem Weg. Eine eigens unter der Bundesstraße hindurchgebohrte Leitung versorgt den benachbarten Weltmarktführer Wittenstein SE unmittelbar und nachhaltig mit „grünem“ Strom.

Der „Saft“ läuft ab sofort: Beim offiziellen Knopfdruck unter anderem mit dabei Erik Roßmeißl (Wittenstein SE, links), Dr. Bertram Hoffmann (Wittenstein SE, Dritter von links), Florian Golinski (Suntec, Vierter von links) und Bürgermeister Frank Menikheim (Zweiter von rechts). © Klaus T. Mende

Für Dr. Bertram Hoffmann, seit sieben Jahren Vorstandsvorsitzender von Wittenstein SE, ist dies ein entscheidender Wettbewerbsvorteil. „Zuverlässige, erschwingliche Energiekosten sind und bleiben ein zunehmender Wettbewerbsfaktor. Das ist die Realität meines Alltages“, so Hoffmann, der unmittelbar zuvor von einer Asienreise zurückgekehrt war. Der Solarpark sei ein „klares Bekenntnis zum Standort Harthausen“. Das Projekt entlaste zudem die öffentlichen Netze – ein Punkt, der Hoffmann besonders am Herzen liegt: „Ich habe mich manchmal gefragt, ob das Thema Entlastung der Netze wirklich jedem bewusst ist.“

Ein Bollwerk gegen geopolitische Krisen

In Zeiten globaler Unsicherheiten werde Energie zur Sicherheitsfrage. Florian Golinski macht deutlich: „Man braucht gewissermaßen lediglich zwei Leute mit einem Raketenwerfer, um den kompletten Schiffverkehr in der Straße von Hormus lahmzulegen. Das funktioniert bei Strom nicht.“ Mit vier Millionen PV-Anlagen in Deutschland entstehe eine dezentrale Infrastruktur, die deutlich stabiler sei als jedes Großkraftwerk.

Zudem rechnet Golinski mit der wirtschaftlichen Abhängigkeit ab: „Deutschland importiert jedes Jahr für etwa 81 Milliarden Euro Gas und Öl. Dieses Geld ist unwiderruflich verloren.“ Projekte wie Harthausen hielten die Wertschöpfung in der Region. „Die Sonne hat keine Grenzkosten, sie braucht kein Gas von irgendwoher. Sie ist emissionslos, günstig und planbar.“ Besonders stolz sei das Team darauf, dass die Anlage komplett ohne staatliche Förderung gebaut wurde – ein Beweis für die ökonomische Reife der Technologie.

Dass der Park heute steht, ist auch der Hartnäckigkeit aller Beteiligten zu verdanken. Igersheims Bürgermeister Frank Menikheim erinnert sich an „viele Sitzungen und Überzeugungsarbeit“ im Ortschafts- und Gemeinderat. Die Kommune Igersheim hatte eigens einen Kriterienkatalog erstellt, um Wildwuchs zu verhindern. „Diese Anlage erfüllt unsere Kriterien. Es ist eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten: Die Wertschöpfung bleibt vor Ort, und das Unternehmen bekommt saubere Energie zu einem vernünftigen Preis“, resümiert der Rathaus-Chef.

Auch technisch sei das Ganze eine Meisterleistung gewesen. Projektleiter Leon Konrad blickt stolz auf die kurze Bauzeit zurück: „Vom Spatenstich bis zum fertigen DC-Messprotokoll waren es nur zweieinhalb Monate.“ Verbaut worden seien modernste bifaziale Module, die das Licht von beiden Seiten einfingen und so die Ausbeute maximierten. „Die Anlage liefert sie mindestens 20 Jahre lang umweltfreundlichen Strom“, ergänzt Florian Golinski.

Leuchtturm über die Region hinaus

Der Solarpark Harthausen mit seinen 5.650 Kilowattpeak (kWp) Leistung könnte rechnerisch den Bedarf von 5.300 Menschen decken. Doch seine wahre Bedeutung liege in der Signalwirkung. Er zeige, dass die Energiewende keine Last sein müsse, sondern ein Motor für die lokale Wirtschaft und den Naturschutz sein könne.

„Es ist ein Projekt mit Charakter, an das viele Firmen anknüpfen sollten“, ist Projektleiter Fabian Klaus der festen Überzeugung. In Harthausen wurde bewiesen: Wenn Landwirtschaft, Industrie und Kommunen an einem Strang zögen, entstünden Lösungen, die nicht nur auf dem Papier gut aussähen, sondern in der Realität glänzten – genau wie die knapp 9.000 Module im Sonnenlicht von Igersheim.

Der Solarpark in Zahlen:

  • Die Größe der Fläche vor den Toren des Igersheimer Teilorts, die direkt an der B 19 liegt, beträgt etwa fünf Hektar .
  • Nach Angaben der Investoren liegt die onstallierte Leistung der Anlage bei etwa 5650 kWp .
  • Die Neigung Module auf der Anlage beträgt 15 Grad .
  • Insgesamt sind knapp 9.000 Solarmodule verbaut worden.
  • Die Reihenabstände beträgen durchgehend vier Meter , damit Landwirt Georg Tittl regelmäßig die Wiese für seine Kühe mähen kann.
  • Insgesamt sind etwa 86 Kilometer DC-Kabel verlegt worden.

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