• Spotlight24
  • 5Allgemein
  • 5Bericht
  • powered by
  • Icon List Item

Von Kathmandu nach Buchen zur Ausbildung

Apr. 8, 2026 | Allgemein

Christian Wittemann (von links) freut sich darüber, dass Sampada Thakuri und Swastika Bulami sich im Betrieb gut eingefunden haben. © Rainer Schulz
Über eine nepalesische Organisation kamen Swastika Bulami und Sampada Thakuri nach Deutschland.

Von Rainer Schulz

Buchen. Zwischen Kathmandu in Nepal und Buchen liegen rund 6.800 Kilometer Luftlinie. Weit weg von der Heimat begannen Swastika Bulami und Sampada Thakuri am 16. März ihre Ausbildung beim Café Witteman. Thakuri erlernt das Bäckerhandwerk, Bulami will Verkäuferin werden. Beide sind seit Oktober in Deutschland. Ihre Ausbildung hatten sie bereits in der ehemaligen Bäckerei Münkel in Schloßau begonnen, die Ende März schließen wird. „Wir sind glücklich, dass wir weiterhin unsere Lehre in Deutschland absolvieren können“, sagt die 26-jährige Bulami. Der Kontakt sei über die Kreishandwerkerschaft zustande gekommen, berichtet Christian Witteman von der gleichnamigen Bäckerei. Da der Betrieb auf der Suche nach Auszubildenden gewesen sei, habe er diesen Weg ausprobieren wollen.

Unterstützung durch die Organisation NSST

Bulami und Thakuri werden durch die Organisation „Nepal Secretariat of Skills and Training“ (NSST) unterstützt. Das Programm vermittelt junge nepalesische Auszubildende an deutsche Unternehmen. Die 21-jährige Thakuri erklärt, dass sie bei einer Informationsveranstaltung von dieser Chance erfahren und sich anschließend bei der Organisation beworben habe. Bevor die jungen Menschen eine Ausbildung in einem deutschen Unternehmen beginnen konnten, verging noch einige Zeit. Ein einjähriges Training hätten sie absolvieren müssen, erzählt die 21-Jährige. In dem Training sei es darum gegangen, die Teilnehmer zu motivieren und ihre Fähigkeiten besser kennenzulernen. Außerdem sprachen sie darüber, welche Berufe zu ihnen passen würden. Zunächst habe das Training auf Englisch und Nepalesisch stattgefunden. Später lernten sie die deutsche Sprache und etwas über die Kultur kennen. Danach wurden ihnen verschiedene Firmen und Berufe vorgestellt, zum Beispiel im technischen Bereich, im Tischlerhandwerk sowie als Bäcker oder Koch. „Anschließend mussten wir selbst entscheiden, bei welchen Firmen wir uns bewerben möchten“, erläutert Thakuri. Nur mit einem fortgeschrittenen Sprachniveau, darf man mit den Unternehmen in Kontakt treten.

Die Auszubildenden begannen ihre Lehre am 16. März bei Café Wittemann in Buchen. © Rainer Schulz

„Die Ausbildung ist für uns eine gute Möglichkeit, weil wir dabei arbeiten und gleichzeitig lernen können. So etwas gibt es in Nepal nicht“, sagt Bulami. Dort habe sie in einem Textilgeschäft gearbeitet. Der Kontakt mit Menschen mache ihr Spaß. Durch die Ausbildung in Deutschland wolle sie sich weiterentwickeln. Sie mache täglich Fortschritte. Derzeit eigne sie sich die Namen der Backwaren und Torten im Café Wittemann an. Das sei gar nicht so leicht, weil das Angebot so umfangreich sei.

Thakuri erfuhr im Internet, dass es in Deutschland etwa 3.000 unterschiedliche Brotspezialitäten gibt. Diese Vielfalt weckte ihr Interesse. „Bei uns zu Hause gibt es auch Lebensmittel aus Mehl, aber nicht in so großer Auswahl“, betont sie. Ein typisches nepalesisches Brot sei Roti, eine Art Fladenbrot. Bei Wittemanns könne sie außerdem lernen, wie man Torten backt. Auch bei der Herstellung von Croissants habe die 21-Jährige bereits mitgearbeitet. Welche Spezialität Bulami und Thakuri aus ihrer Heimat einführen wollen: Sel Roti. Dabei handelt es sich um ein süßes, frittiertes, ringförmiges Gebäck aus Reismehl.

Die beiden finden es gut, dass Ausbildungsberufe in Deutschland im Vergleich zu Nepal höher angesehen sind. Dort würden viele Menschen Ingenieure, Ärzte oder IT-Experten werden wollen, sagt die 21-Jährige. In Deutschland hätten sie mehr Möglichkeiten, fügt Bulami hinzu.

Die ersten Monate in Deutschland seien schwierig gewesen. Vor allem die Sprache, besonders der Dialekt, habe sie vor Herausforderungen gestellt. Sie würden sich aber immer besser daran gewöhnen. „Bei Problemen können wir uns an unsere Mentoren, die von NSST gestellt werden, und an die Geschäftsführerin Kathrin Junken wenden. Das ist eine sehr große Hilfe“, sagt Thakuri.

Eine Möglichkeit gegen den Fachkräftemangel in Deutschland

Christian Wittemann betrachtet Lehrlinge aus anderen Ländern als vielversprechende Chance gegen den Fachkräftemangel. Für den Backbetrieb bedeutet das zugleich Neuland. Momentan bemüht er sich, in Buchen eine Unterkunft für die jungen Menschen zu finden, weil sie derzeit noch in Mosbach wohnen. Da sich auch die Berufsschule in Buchen befindet, würden sich die Anfahrtswege deutlich verkürzen. Besonders für Thakuri ist ein Wohnort direkt in der Stadt entscheidend, damit sie bereits um drei Uhr früh ihre Arbeit in der Backstube beginnen kann. „Wir strengen uns auch an, keinen zu starken Dialekt zu sprechen“, sagt Wittemann und lacht. Bei den Azubis habe er das Gefühl, dass sie sehr schnell lernen.

Kathrin Junken, Geschäftsführerin von NSST, betont, dass die Organisation die berufliche Bildung in Nepal stärken möchte. Darüber hinaus wolle man jungen Menschen aus weniger privilegierten Verhältnissen die Chance auf eine Ausbildung in Deutschland eröffnen. Dafür sei NSST fortlaufend auf der Suche nach weiteren Unternehmen. Die Organisation finanziert sich durch Spenden. „Gerade Frauen wollen wir stärken, ihr eigenes Geld zu verdienen“, erläutert sie. NSST kümmere sich um den Flug und das Visum. Auf die Azubis entfallen keine Kosten. Die Organisation unterstützt die jungen Menschen bei der Bewerbung, zum Beispiel durch Probeinterviews, und ist bei den Kennenlern-Online-Meetings mit den Unternehmen dabei. Die Auszubildenden können nach der Ausbildung in Deutschland bleiben, wenn sie übernommen werden.

Der Kontakt zum Neckar-Odenwald-Kreis ergab sich, weil Junken in Osterburken zur Schule gegangen ist. Thakuri und Bulami seien die ersten von NSST vermittelten Auszubildenden in der Region. Mehrere hundert Azubis sind bisher nach Deutschland gekommen. Derzeit nehmen in Nepal rund 550 Menschen am Programm teil, die eine Berufsausbildung in Deutschland anstreben. In den kommenden Jahren sollen jährlich etwa 500 Teilnehmer für eine solche Qualifizierung an Unternehmen vermittelt werden.

Informationen über NSST:

  • Die Organisation wurde 2021 gegründet .
  • Die Auszubildenden werden durch ein einjähriges Training auf die Bewerbungsphase vorbereitet.
  • NSST kümmert sich um den Flug, Visum, Haftpflicht- und Krankenversicherung .
  • Die Nepalesen müssen keine Kosten übernehmen .
  • Auch während der Ausbildung werden die Azubis von einem Ansprechpartner begleitet.
  • Kontakt : kathrin@thensst.org. rasch

DIESEN ARTIKEL TEILEN

Unternehmen im Spotlight

Mehr zu diesem Unternehmen