Die AOK Heilbronn-Franken hat eine neue Leitung. Katja Wennes wurde vom Vorstand der AOK Baden-Württemberg und dem Bezirksrat zur Geschäftsführerin der größten Bezirksdirektion des Landes bestimmt.
Von Sabine Holroyd
Tauber-Odenwald. Katja Wennes hat zum 1. Januar die Nachfolge von Michaela Lierheimer angetreten, die 19 Jahre lang an der Spitze der AOK Heilbronn-Franken stand. „Katja Wennes ist eine versierte und empathische Führungskraft, die fest in der Region verwurzelt ist“, so der Vorstandsvorsitzende der AOK Baden-Württemberg, Johannes Bauernfeind. „Dabei überzeugt sie mit ausgeprägtem Teamgeist und vermittelt die Werte, die Kultur und das Führungsverständnis der Gesundheitskasse glaubhaft und nachhaltig. Sie hat die Mitarbeitenden immer fest im Blick, schaut über den Tellerrand und kann auf vielfältige Kontakte in der Region Heilbronn-Franken setzen. Wir sind überzeugt, dass sie die Bezirksdirektion erfolgreich in die Zukunft führen wird.“
„Immer im Austausch mit ihren Beschäftigten“
In einem Pressegespräch im Kundencenter in Tauberbischofsheim stellte sich die 49-Jährige nun vor – flankiert von Katharina Kaupp, die als aktuelle alternierende Vorsitzende des AOK-Bezirksrats die Versichertenseite vertritt, und Jörg Ernstberger, dem Co-Vorsitzenden für die Arbeitgeberseite im Bezirksrat. Katharina Kaupp freut sich darüber, „dass wir Frau Wennes für diese wichtige Position gewinnen konnten. Mit viel Empathie ist sie nah an den Menschen.“ Katja Wennes habe mit dem Aufbau der AOK-Direktberatung, dem landesweiten Telefonservice der Gesundheitskasse, bewiesen, dass sie Neuland betreten und auch unter Herausforderungen führen kann. „Sie ist immer im Austausch mit ihren Beschäftigten. Nur so lässt sich eine so große Bezirksdirektion auch in Zukunft gut führen“, ist Katharina Kaupp überzeugt.
Jörg Ernstberger stellt fest: „Katja Wennes‘ beruflicher Werdegang, von Marketing und Kommunikation über strategische Steuerung bis hin zu Führungsverantwortung in der AOK, steht für Klarheit, Verlässlichkeit und regionale Verbundenheit.“ Dass sie ein „Eigengewächs“ der Krankenkasse ist, freut ihn ganz besonders. Dadurch wisse sie auch, wie die Region „tickt“.
In Heilbronn geboren und in Schwaigern aufgewachsen, machte sie ihre Ausbildung zur Sozialversicherungsfachangestellten von 1993 bis 1996 und absolvierte 2001 ihren Betriebswirt. Nach der Tätigkeit im Vertrieb sammelte sie erste Führungserfahrungen als Teamleiterin im Bereich Firmenkunden. Danach verantwortete Katja Wennes viele Jahre das Marketing der Bezirksdirektion Heilbronn-Franken, das 2009 um die Bereiche Produktmanagement und Gesundheitsförderung erweitert wurde. Über die Bezirksdirektion hinaus war sie in landesweiten Fachgremien der AOK Baden-Württemberg aktiv. Sie gestaltete die Neuausrichtung der Prävention mit und leitete eine Arbeitsgruppe zur Unternehmenskultur.
2023 wurde sie mit dem Aufbau des neuen Geschäftsbereichs AOK-Direktberatung betraut, dem landesweiten Telefonservice der Krankenkasse. Sie übernahm damit die Verantwortung für rund 700 Mitarbeitende an 15 Standorten in Baden-Württemberg. „2025 hat mein Team dort rund 3,2 Millionen Gespräche geführt“, sagt sie nicht ohne Stolz.
„Vertrauen, Klarheit und ein starkes Miteinander“
„Vertrauen, Klarheit und ein starkes Miteinander“ zählt Katja Wennes zu den entscheidenden Erfolgsfaktoren. „Wertschätzung, Orientierung und Verlässlichkeit nach innen und außen sind für mich außerdem zentrale Werte,“ so die neue Geschäftsführerin.
Gemeinsam mit ihrem Stellvertreter Jürgen Heckmann setzt sie auf einen kooperativen Führungsstil: „Ich will keine Einzelkämpferin sein, sondern verstehe Führung als ein gemeinsames Gestalten, mit dem Anspruch, Veränderungen aktiv voranzubringen, Entscheidungen mit ,Zukunftsmut‘ zu treffen und stets den Menschen im Blick zu behalten. Dazu zählen unsere über 450.000 Versicherten, unsere Partner in der Gesundheitsversorgung und meine rund 1.500 Kollegen und Kolleginnen.“
Als sie gefragt wurde, ob sie Michaela Lierheimers Nachfolge antreten möchte, musste sie nicht lange überlegen: „Ich habe eine Nacht drüber geschlafen und freudig zugesagt – mit der Gewissheit, dass mein Partner hinter mir steht“, sagte sie gegenüber unserer Zeitung.
Bei der fortschreitenden Digitalisierung des Gesundheitswesens ist es der neuen Geschäftsführerin wichtig, „dass unsere Versicherten das als Verbesserung ihrer Gesundheitsversorgung wahrnehmen. Wenn unsere Kunden mit uns Kontakt aufnehmen, lege ich Wert darauf, dass sie kompetent und zügig beraten werden. Zugleich aber sollten sie spüren, dass sie menschlich willkommen sind und wir gern für sie da sind.“ Nicht zuletzt deshalb bleiben auch die Kundencenter in der Region bestehen.
Katja Wennes weiß, dass die Wirtschaftlichkeit und nachhaltige Stabilität des Gesundheitswesens auch vor Ort mit entschieden werden. „Fast jeder Zweite in Heilbronn-Franken ist bei uns versichert. Wir haben die Verantwortung dafür, dass die Beiträge, die von Versicherten und Arbeitgebern gezahlt werden, für eine bestmögliche Versorgung effizient eingesetzt werden“, sagt sie. Nicht zuletzt hat sie die AOK als Unternehmen im Blick: „Wir sind ein attraktiver Arbeitgeber.“ Zum Team gehören aktuell 95 Auszubildende. Dadurch soll auch der eigene Nachwuchs gefördert werden.“
Landtagswahl wichtig für Weichenstellungen
Die Landtagswahl am 8. März ist aus Sicht der neuen Geschäftsführerin wichtig für kommende Weichenstellungen in der Gesundheitspolitik. Die Krankenhausreform müsse konsequent umgesetzt und dürfe nicht verwässert werden. Dies bedeute auch, dass das Land seinen Verpflichtungen für die Finanzierung der Krankenhausstandorte nachkomme. Eine wohnortnahe Gesundheitsversorgung erfordere ein Primärarztsystem, wie es die AOK Baden-Württemberg seit über 15 Jahren mit dem Hausarztvertrag erfolgreich praktiziere. Außerdem müssten das Landarztprogramm ausgebaut und die nichtärztlichen Gesundheitsberufe gestärkt werden, um dringend benötigte Fachkräfte für das Gesundheitswesen zu gewinnen.
„Wir brauchen mehr Gesundheitskompetenz“
Ein weiteres Augenmerk richtet sie auf die Pflege. „In den kommenden Jahrzehnten brauchen immer mehr Menschen eine gute und zuverlässige Pflege. Es gilt jetzt, das bedarfsgerecht zu planen und zu finanzieren. Unser Ziel ist eine Pflege, die auch künftig für alle würdevoll, bezahlbar und wohnortnah bleibt.“ Ein besonderes Anliegen ist ihr außerdem die Prävention: „Alle profitierten davon, wenn Gesundheitsrisiken frühzeitig vermieden würden. Wir setzen uns dafür ein, dass Kinder und Jugendliche dies frühzeitig erlernen. Wir brauchen mehr Gesundheitskompetenz in der Bevölkerung, damit wir unseren größten Schatz – unsere Gesundheit – pflegen und genießen können.“
Für ihr eigenes Wohlergehen schafft sie sich immer wieder kleine Freiräume, in denen sie gerne läuft oder auch mal Yoga macht. „Dann kann ich auch mit einem klaren Kopf die nächsten Gespräche führen.“
Termin mit Nina Warken in Planung
Ein persönliches Treffen mit Bundesgesundheitsministerin Nina Warken aus Tauberbischofsheim steht noch aus. Katja Wennes sagt: „Bei einem Kongress in Berlin habe ich sie bereits erlebt. Ein Termin für ein längeres Gespräch mit ihr ist in Planung. Ich freue mich auf die Begegnung, bei der die bekannten Schmerzpunkte der Gesundheitspolitik ein Thema sein dürften. Wir brauchen ein Gesundheitssystem, das möglichst ortsnah eine exzellente Versorgung bietet und zugleich bezahlbar ist. Ich bin mir aber sicher, dass Frau Warken auch an der Situation vor Ort stark interessiert ist.“












