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Erfolgreich im digitalen Wandel

Nov. 22, 2025 | Allgemein

Marketingleiter Michael Fischer (von links) erklärt, wie das Repro-Stativ funktioniert. Jonas Vogt ist geschäftsführender Gesellschafter. Bild: Rainer Schulz
Kaiser-Fototechnik aus Buchen erschloss sich neue Märkte in einer Zeit, in der viele Fotounternehmen durch die Digitalisierung bedeutungslos geworden sind.

Von Rainer Schulz

Technische Veränderungen stellen ein Unternehmen vor Herausforderungen. In der Wirtschaft finden sich Firmen wie Nokia, Kodak und Quelle, die es versäumt haben, sich rechtzeitig anzupassen. Die Entwicklung von Nokia ist vielen bekannt. In den 2000er-Jahren führte das Unternehmen den Weltmarkt für Mobiltelefone an. Dann kam das Smartphone. Nokia hielt es jedoch nicht für erforderlich, in diesem Bereich nachzuziehen. Wenige Jahre später wurde das Unternehmen in seiner Paradedisziplin unbedeutend. Ein bekanntes Beispiel findet sich auch im Fotobereich. Die Digitalisierung nahm ihren Anfang in den 90er-Jahren. Kodak, ein Ausrüster für Fotos und Filme, verpasste diese Entwicklung. Das Unternehmen existiert zwar weiterhin, hat jedoch seine frühere Bedeutung nicht wiedererlangt. Viele weitere Mitanbieter sind aufgrund der Digitalisierung in der Fotobranche verschwunden.

Reprostativ kompatibel mit digitaler Kamera

Anders sieht das bei einem Buchener Unternehmen aus: Kaiser-Fototechnik hat es geschafft, den Wandel zu meistern. Zunächst hätten sich die Verantwortlichen überlegt, ob ihre Produkte für die digitale Technik geeignet seien, erinnert sich Michael Fischer, Marketingleiter und Produktmanager, im Gespräch mit den FN. Er arbeitet seit rund 40 Jahren im Unternehmen. „Wir hatten das Glück, dass unsere Reproduktionstechnik kompatibel mit dem digitalen Wandel war. Auf einem Reprostativ kann sowohl eine analoge als auch eine digitale Kamera angebracht werden“, erläutert er. Kaiser-Fototechnik hat sich auf den Repro-Sektor spezialisiert. Seit den 70er-Jahren bietet die Firma das Produkt an. Dabei geht es um die zwei- und dreidimensionale Erfassung von Bildern und Vorlagen. Es gebe weltweit praktisch keinen anderen Anbieter mit derselben Bandbreite an Produkten im Repro-Segment wie bei Kaiser-Fototechnik, sagt Geschäftsführer Jonas Vogt. Das habe beim technischen Wandel geholfen.

Das Stativ ihrer Repro-Produkte musste das Unternehmen nicht anpassen, aber die Beleuchtungstechnik war mit den Digitalkameras nicht kompatibel. Ein Rotstich sei auf den Aufnahmen erkennbar gewesen, sagt Fischer. Das passten sie an. Die Lieferantenstruktur helfe, auf neue technische Entwicklungen einzugehen, sagt Vogt. Kaiser Fototechnik hat eine eigene Entwicklungsabteilung. Die Einzelteile werden von externen Firmen gekauft und selbst zusammengebaut.

Digitalisierung von Dokumenten in Museen

„Die Digitalisierung hat uns den Zugang zu weiteren Märkten ermöglicht“, erläutert Fischer. Bibliotheken und Verwaltungen wollen zum Beispiel ihre Dokumente digitalisieren. Da das Unternehmen sich mit seinen Produkten in der Reproduktionstechnik über Jahrzehnte etabliert hat, ist es die erste Wahl für hochauflösende Digitalisate. Das sind digitale Kopien eines ursprünglichen, analogen Objekts. So entstand 2003 in Zusammenarbeit mit der Herzog-August-Bibliothek in Wolfenbüttel und Image-Engineering in Frechen die Vorrichtung „Wolfenbütteler Buchspiegel“ zur schonenden Reproduktion von alten Büchern. Zum Portfolio gehören zudem motorisierte und computergesteuerte Kamerahaltungen für die Digitalisierung. „Es ist wichtig, sich weiterzuentwickeln, damit wir auf dem neuesten Stand sind und nicht von Mitbewerbern überholt werden“, betont der Geschäftsführer.

Repro-Bodenstativ RSP 2motion zur digitalen und analogen Bilderfassung von Vorlagen bis zu 129 x 89 cm (> DIN A0) mit zwei motorisch verstellbaren Ebenen. Bild: Kaiser-Fototechnik

Auch die alte Diatechnik ist noch immer präsent. In den vergangenen Jahren stieg das Interesse daran, Diaaufnahmen zu digitalisieren. Kaiser Fototechnik stellt hierfür das geeignete Zubehör bereit.

Das Unternehmen vertreibt nicht nur eigene Produkte, sondern arbeitet mit anderen Firmen zusammen. So seien der Vertrieb von unter anderem Smartphone-Leuchten, Lichtformer für Fotostudios sowie Filmset exklusiv in Deutschland, sagt Vogt. Dadurch wurde die Zielgruppe der Content-Creator erreicht, die auf der Suche nach guter Beleuchtungstechnik für ihre YouTube-Videos sind.

Kaiser-Fototechnik beliefert hauptsächlich Händler, Industrieunternehmen und staatliche Stellen. Bis 2012 gab es einen dicken Katalog. Nun werden die Produkte auf der Website präsentiert. Auf Messen zeigt die Firma weiterhin Präsenz. „Der persönliche Kontakt ist wichtig“, sagt Fischer. Kaiser Fototechnik will künftig den Online-Verkauf von Produkten weiter ausbauen. Das sei ein weiterer Schritt, das Unternehmen zu digitalisieren, erläutert Vogt.

Das Unternehmen Kaiser-Fototechnik besteht seit 80 Jahren. Der Gründer Erich Kaiser begann mit Restmaterialien Gebrauchsgegenstände herzustellen. Nach dem Krieg war der Bedarf an Zubehör für Fotografie hoch und die ersten Sonnenblenden für Fotoapparate entstanden. Die Familie Kaiser verkaufte das Unternehmen 2023 an die OKW-Firmengruppe. Vogt leitet seitdem als geschäftsführender Gesellschafter die Firma.

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