Wirtschaft: Betriebe aus dem Landkreis sind in besonderem Maß von der Automobilindustrie abhängig. Dennoch ist die Arbeitslosenquote niedriger als in der IHK-Region.
Von Martin Bernhard
Ein trübes Bild hat sich bei der Konjunkturumfrage der IHK Rhein-Neckar für den Frühsommer ergeben, das für den Neckar-Odenwald-Kreis noch etwas trüber aussieht. Nach den Worten von IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Axel Nitschke haben sich Lage und Erwartungen in der Industrie etwas verbessert. „Insbesondere die exportierenden Unternehmen profitierten in den vergangenen Monaten von anziehenden Auslandsumsätzen“, sagte er bei einer Pressekonferenz. Das sei auf vorgezogene Käufe aus den USA zurückzuführen. Denn die Einkäufer aus Übersee befürchteten steigende Zölle und wollen deshalb noch zu günstigeren Preisen ihre Lager füllen.

„Der Neckar-Odenwald-Kreis ist leicht schlechter betroffen als der IHK-Bezirk, und dieser schneidet etwas schlechter ab als Baden-Württemberg“, stellte Dr. Andreas Hildenbrand (Bild: Wohnfitz), Geschäftsführer der IHK Mosbach, im Gespräch mit den Fränkischen Nachrichten fest. So sei 2024 der Umsatz in der Industrie im Landkreis um rund sieben Prozent gefallen, im Land dagegen nur um 2,2 Prozent und im Kammerbezirk um 4,6 Prozent. Der Umsatz aus Exporten sei im Neckar-Odenwald-Kreis um 3,7 Prozent gesunken, während der Rückgang im Kammerbezirk mit 2,9 Prozent geringer ausgefallen sei, aber immer noch höher als im Land mit einem Minus von 1,9 Prozent.
Weniger Menschen in der Industrie beschäftigt
Handwerk verstärkt seine öffentliche Präsenz
Mit dem Eintritt seines Sohnes und jungen Meisters Detlef Hieber im Jahr 1990 begann eine neue Ära. Aus dem Betrieb mit einer Handvoll Mitarbeiter wurde langsam etwas GrößeresDieie Entwicklung geschah vor dem Hintergrund eines Paradigmenwechsels auch im Handwerk an sich. Bis dato waren die Betriebe praktisch unsichtbar: Man pendelte zwischen Werkstatt/Lager und Baustelle. Doch findige Unternehmer begannen sich langsam öffentlich zu zeigen – mit kleinen Ausstellungen und Showrooms, mit verstärkt sichtbarer Präsenz. Für Hieber folgte dann durchaus ein Sprung: von Laudenbach an die Tal- und Landesstraße in Weikersheim. Schon in „Phase eins“ baute man mit durchaus auffälligen Fensterelementen einen vorhandenen älteren Baukörper um und legte sich plastisches Firmenlogo mit Wiedererkennungseffekt zu.
2002 erfolgte die Umfirmierung zur Aktiengesellschaft und das Unternehmen wuchs kontinuierlich. Heute zählt die Hieber AG mit ihren 75 Mitarbeitern zu den führenden Fachbetrieben in der Region für Bad, Heizung, Lüftung und Elektrotechnik.
Warum die Industrieunternehmen im Neckar-Odenwald-Kreis bei der Umsatzentwicklung etwas schlechter abschneiden als die IHK-Region, begründet Hildenbrand unter anderem damit, dass viele Betriebe im Landkreis Unternehmen im Rhein-Neckar-Kreis belieferten. Diese seien ebenfalls von der wirtschaftlichen Lage in Deutschland betroffen. Zudem seien hier Branchen besonders stark vertreten, die direkt oder über Zulieferer in ihrem Kundenstamm von der Automobilindustrie abhängig seien, von einer Branche also, der es wirtschaftlich nicht gutgeht.
Nach den Worten von Hildenbrand hat die Metropolregion Rhein-Neckar, der auch der Neckar-Odenwald-Kreis angehört, im Vergleich zum Land an Innovationskraft eingebüßt. So sei die Zahl der Patentanmeldungen zurückgegangen. „Innovation läuft derzeit anderswo“, stellte der IHK-Geschäftsführer fest. Er bezieht sich auf eine kürzlich veröffentlichte Studie von IHK und Metropolregion.
Diese kam zu dem Ergebnis, dass es im Vergleich mit der besten Metropolregion zwar verhältnismäßig viele Beschäftigte im Bereich Forschung und Entwicklung sowie viele wissenschaftliche MINT-Institute gebe, doch ließen sich diese Stärken noch nicht in ebenso deutliche Innovativitätsvorteile ummünzen.
So komme beispielsweise die weltweit herausragende Bedeutung des Wissenschaftsstandortes Heidelberg in der Grundlagenforschung in den Unternehmen der Region noch immer wenig zum Tragen, wie es in der Umfrage heißt.
Zudem verlagerten Großunternehmen ihre Aktivitäten in Forschung und Entwicklung zunehmend in andere Regionen, und die regionale Steuerung von Innovationen weise Effizienzdefizite auf.
Positiv bewertet Hildenbrand die Entwicklung im Bereich Ausbildung. So seien zum Ende Oktober vergangenen Jahres im Neckar-Odenwald-Kreis 438 Ausbildungsverträge neu eingetragen worden – genauso viele wie im Vorjahr. Es fällt auf, dass die Zahl der Auszubildenden im gewerblich-technischen Bereich um fast vier Prozent gestiegen ist, während sie im kaufmännischen Bereich um über drei Prozent gefallen ist. Hildenbrand führt das darauf zurück, dass Unternehmen in Zeiten schwacher Konjunktur im Bereich der Verwaltung sparen würden, denn die Wertschöpfung finde im gewerblich-technischen Bereich statt. „Es ist immer noch so, dass Unternehmen trotz der schwierigen wirtschaftlichen Entwicklung sagen: Wir haben noch nicht alle Ausbildungsplätze belegt.“ Deshalb könnten sich junge Leute immer noch um Plätze für das kommende Ausbildungsjahr bewerben.
Hildenbrand rechnet mit mehr Auszubildenden bis 2030
Zwar habe man das Vor-Corona-Niveau bei den neu eingegangenen Ausbildungsverhältnissen noch nicht erreicht. Das war 2019 um rund 100 Verträge höher. Aufgrund der demografischen Entwicklung geht Hildenbrand davon aus, dass „in Richtung 2030 die Ausbildungszahlen wieder steigen müssten“.

Auszubildende in einer Lehrwerkstatt. Aus demografischen Gründen könnte es in
fünf Jahren mehr Auszubildende im Neckar-Odenwald-Kreis geben. BILD: LÜDECKE GMBH
Industrie im Kreis
- Nach Angaben der IHK Rhein-Neckar verfügte er Neckar-Odenwald-Kreis 2023 über folgende Unternehmensstruktur:
- Anzahl Betriebe laut Statistischem Landesamt (ab 20 Beschäftigte) im verarbeitenden Gewerbe (also Industrie im engeren Sinne ohne Bauwirtschaft und Energieerzeugung): 140.
- Beschäftigte: 14.784.
- Umsätze: 2,7 Milliarden Euro (davon eine Milliarde Euro Auslandsumsatz).
- Branchen: Es dominieren Maschinenbau und Automobilzulieferer.












