mbo Oßwald in Steinbach hält unter dem Motto „Local for Local“ am Standort fest und investiert in neue Lagerhalle. Mit Fachkräftemangel hat auch der Weltmarktführer zu kämpfen.
Von Heike Barowski
Steinbach. Nur ein sehr kleines Hinweisschild an der L508 am Ortseingang von Steinbach weist darauf hin, dass die Firma Metallbearbeitung Oßwald (mbo) hier im Industriegebiet ihren Sitz hat. Ein altes Steinhaus rechts, in der Mitte ein Bürogebäude und links hinten eine neue Lagerhalle künden von unterschiedlichen An- und Ausbaubauphasen.
In der Firma selbst herrscht überall angenehme Wärme. Selbst in der neu gebauten Lagerhalle lässt es sich bei frostigen Außentemperaturen gut aushalten. Doch wer bei einer metallverarbeitenden Firma an enormen Krach, Dreck und fliegende Funken denkt, wird bei mbo Oßwald enttäuscht: Ein blitzblanker Boden, freundlich grüßende Mitarbeiter und hochmoderne Maschinen sorgen für ein beeindruckendes Arbeitsumfeld.
Als Irmgard und Anton Oßwald 1967 in einer Seitenstraße in Steinbach ihre Firma gründeten und mit der Produktion von Splintbolzen begannen, hatten die beiden zwar ein Ziel vor Augen – dass das Unternehmen sich zum weltweiten Marktführer für mechanische Verbindungselemente entwickeln würde, hätte niemand gedacht. Heute liefert der „Hidden Champion“ seine Bolzen, Gabelköpfe, Winkelgelenke, Gelenkstangen, Kugelzapfen und vieles mehr an nahezu alle Industriebranchen. Mehr als 14.000 verschiedene Standardprodukte stehen im Portfolio des Unternehmens. Teile von mbo Oßwald kommen beispielsweise beim Bau von Krankenhausbetten, Baumaschinen, im Maschinenbau oder an Ladeklappen von Bussen als Verbindungselement an der Gasfeder zum Einsatz. Rund 4.000 Stammkunden stehen im Adressverzeichnis der Firma.
Gabelkopffertigung ist Weltspitze
Kein Wunder, denn mbo Oßwald verfügt über eine der modernsten Gabelkopffertigungen weltweit. Auch der Produktionsbereich für kundenspezifische Stangendrehteile kann sich sehen lassen. Das umfasst nicht nur einen hochmodernen Maschinenpark, die vollvernetze Produktion, sondern auch eine effiziente Prozesskette: Aufträge für kundenspezifische Wiederholteile und online konfigurierter Bauteile durchlaufen nicht erst verschiedene Bürostationen, sondern landen direkt beim Maschinenführer.

mbo Oßwald fertigt in Steinbach unter anderem Gabelköpfe. © mbo Oßwald
Wird eine eShop-Bestellung beispielsweise für ein Normteil bis 11 Uhr aufgegeben, kann die Auslieferung noch am selben Tag erfolgen. Zudem kann der Kunde seine gewünschten Bolzen, Hülsen oder Sonderschrauben selbst online konfigurieren. „Im Bereich der gehören wir weltweit zur Spitze“, sagt der geschäftsführende Gesellschafter Andreas Oßwald. Seine Schwester Lena Oßwald (zuständig für Öffentlichkeitsarbeit und Recruiting) und Lothar Winkler (Leitung Vertrieb und Marketing) nicken zustimmend.
Über all die Jahre ist das Unternehmen in seinem Auftritt bescheiden geblieben – und ist dennoch Weltspitze. Damit ist auch klar: Hier wurde vieles richtig gemacht. Alle Geschäftsführer haben an den Standort geglaubt und kontinuierlich in das Unternehmen investiert.
Generationenwechsel gelungen
Auch der zweimalige, nahtlose Generationenwechsel trug dazu bei. Inzwischen haben mit Lena, Andreas und ihrer Schwester Hanna Oßwald (geschäftsführende Gesellschafterin) alle Angehörigen der dritten Generation am Führungstisch Platz genommen. Vater Manfred und Onkel Rainer Oßwald sind noch im Hintergrund in der Geschäftsleitung tätig. Sie stehen der nächsten Generation bei Wunsch mit gutem Rat zur Seite. Alle eint, dass sie „mit Herz, Seele und Leidenschaft“ der Firma verbunden sind, so Lena Oßwald.
Der Generationenwechsel erfolgte seit 2014 fließend und ist inzwischen abgeschlossen. Als großen Vorteil bezeichnen Lena und Andreas Oßwald übereinstimmend, dass die vorherige Führungsebene der jungen Generation bei jeder Entscheidung freie Hand gelassen habe. Mit Lena, Hannah und Andreas zog dann auch die komplette Digitalisierung in Büro und Produktion ein. Winkler spricht sogar von „Industrie 4.0“.
Das Ringen um neue Fachkräfte
Derzeit zählt mbo Oßwald 70 Mitarbeiter, die aus einem Umkreis von rund 40 Kilometern stammen, weiß Winkler. Aber auch beim Weltmarktführer muss man sich mit dem Fachkräftemangel auseinandersetzen. Aktuell sind mehrere Stellen im Bereich der Produktion vakant. Das Unternehmen sucht händeringend Zerspaner und CNC-Dreher. Diese Lücke zu kompensieren, sei wirklich schwierig, meint Andreas Oßwald: „Die nicht besetzten bremsen unser Wachstum. Das ist schon eklatant.“
Als Herausforderung bei der Gewinnung neuer Mitarbeiter bezeichnet er die geringe Arbeitslosigkeit und die hohe Industriepräsenz im Kreis. „Wir müssen uns immer gegen die großen Player behaupten.“ Dass die frisch ausgebildeten Facharbeiter an der Berufsschule in Tauberbischofsheim die Lücke der Rentengänger in allen nahegelegenen Firmen nicht füllen können, ist ein weiteres Problem. Fachkräfte in den Nachbarländern Tschechien und Polen zu gewinnen, gestaltet sich inzwischen ebenfalls schwierig, weil dort die Wirtschaft einen deutlichen Aufschwung verzeichnet.
Aus diesem Grund hat sich das Unternehmen im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit neu aufgestellt. Die Weiterbildung der eigenen Mitarbeiter und die Steigerung der Attraktivität des Unternehmens zählt Andreas Oßwald als ebenso wichtige Maßnahmen auf. So zahlt das Unternehmen jedem neuen Zerspaner eine Willkommensprämie. Für jede Nachtschicht werden neben einem Zuschlag von 40 Prozent zusätzlich eineinhalb Überstunden gutgeschrieben. In diesem Zusammenhang weist Lena Oßwald darauf hin, dass Nachtschicht nicht verpflichtend sei. Das Eingehen auf die Wünsche der Arbeitnehmer sei im Familienunternehmen eine Selbstverständlichkeit, ergänzt sie.
Investition in Krisenzeiten
Trotz wirtschaftlicher Rezession, deutlich zunehmender bürokratischer Aufwendungen und Energiekrise infolge der Kriege hält mbo Oßwald am Standort fest und investiert in dieser Zeit in den Neubau einer 1.000 Quadratmeter großen Halle. Diese wurde im Herbst 2025 fertiggestellt.

Für eine siebenstellige Summe wurde 2025 eine neue, 1.000 Quadratmeter große Lagerhalle gebaut. © mbo Oßwald
Nötig wurde der Bau, um Fläche für die Lagerung des Rohmaterials zu gewinnen. „Schon vor ein paar Jahren fiel die strategische Entscheidung, dass wir das Rohmaterial für die Standardteileproduktion als Puffer vorrätig halten.“ Doch der Platz war knapp – also musste neu gebaut werden. Im dadurch entstandenen Freiraum in der Produktion sollen weitere neue Maschinen aufgestellt werden, erklärt Andreas Oßwald.
Warum mbo Oßwald in Krisenzeiten eine siebenstellige Summe in eine Firmenerweiterung investiert, erklärt Lena Oßwald mit der Devise von Anton Oßwald: „Er hat immer gesagt, dass man in schwierigen Zeiten investieren muss, um Sicherheit gegenüber den Mitarbeitern, den Kunden und dem Standort zu generieren.“ Die Produktion aufgrund der Umstände ins Ausland zu verlagern – diesen Gedanken habe es bei mbo Oßwald nie gegeben, versichern alle drei Gesprächspartner.
„Wir glauben an den Standort, wir glauben an Deutschland als Industriestandort. Und wir glauben auch, dass die Produktion von DIN- und Standardteilen in Europa und Deutschland weiterhin Zukunft hat. Wir glauben, dass das Prinzip ‚Local for Local‘ für den europäischen Markt immer noch valide ist“, sagt Andreas Oßwald. In der Stimme des 39-Jährigen schwingt absolute Überzeugung mit.












