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Über Vorzüge und Nachteile der KI

Apr. 13, 2026 | Allgemein

Unternehmer Rainer Gerhards zeigt, wie Künstliche Intelligenz den Alltag transformiert und welche Risiken der Einsatz birgt.

Von Diana Seufert

„Unser Alltag ist ohne KI gar nicht mehr vorstellbar“, sagt Rainer Gerhards. Der Großrinderfelder Softwareentwickler weiß, dass viele Tools ganz selbstverständlich genutzt werden, ohne dass sich die Anwender überhaupt Gedanken darüber machen. Bei ihm ist das ganz anders. Seine Firma greift gezielt auf die Möglichkeiten zurück, die sich durch den Einsatz bieten. „KI birgt jede Menge Chancen, aber auch viele Risiken.“

Gerhards ist der Chef von Adiscon. Das kleine Unternehmen aus Großrinderfeld mit sechs Mitarbeitenden entwickelt Software für Firmen, Behörden und Rechenzentren weltweit und liefert „Schlüsseltechnologien für die Stabilität und Sicherheit moderner IT-Systeme“. Seit drei Jahrzehnten entwickelt man „Werkzeuge, die Transparenz, Sicherheit und Nachvollziehbarkeit in IT-Systemen ermöglichen“. Bekanntestes Projekt sei mit „rsyslog“ eine international genutzte Open-Source-Software für System- und Sicherheitsprotokolle. Zudem biete man weltweit Support- und Entwicklungsdienstleistungen an und wolle in der Sicherheitsforschung Fuß fassen.

KI hilft bei vielen Dingen des Alltags

Der Einsatz von KI hilft in vielen Dingen des Alltags – auch bei der Entwicklung neuer Programme, beim Schreiben, beim Design und der Integration von Tools sowie zudem den Benutzern, selbst schon die Lösung zu finden. Gerade in Sachen Automatisierung sei dies eine wertvolle Unterstützung. „Die KI sucht immer den durchschnittlichen Wert und nicht die Extreme.“ Gleichzeitig lerne das System mit jeder neuen Information dazu und verwerte sie.

Testläufe gehen bei Adiscon nicht mehr ohne die künstliche Intelligenz. Denn viele der Programme müsse an Drittsysteme andocken, erklärt der Fachmann. Und das sollte perfekt und sehr geschmeidig erfolgen. Musste man früher mühselig schauen, wo die Andockmöglichkeiten sind, geht das nun viel einfacher.

Vor einigen Jahren, erzählt Gerhards, hat er bestimmte Anfragen gar nicht erst angenommen, weil der Einarbeitungsaufwand unverhältnismäßig hoch war. Heute kann er die KI damit beschäftigen. Innerhalb kürzester Zeit kommt ein Ergebnis heraus, für das Softwareingenieure früher mehrere Tage Vorarbeit gebraucht hätten. „Jetzt werden solche Programme auch interessant.“ Insgesamt sei man um das Fünffache schneller geworden. „Und die Systeme entwickeln sich weiter, werden immer noch besser und effektiver in der Leistung.“

Wissen investieren sorgt für Arbeitsersparnis

„KI hilft vor allem den Entwicklern, die Erfahrungen haben“, sagt Gerhards. Mit einer guten Ausbildung und dem nötigen Wissen könne man sofort sehen, ob die Idee in die richtige Richtung gehe oder ob nachjustiert werden müsse. Der Großrinderfelder weiß: „Es wird nur Arbeit gespart, wenn ich vorher in Wissen und Information investiert habe.“ Man müsse dafür sorgen, dass das Programm, an dem man arbeitet, überhaupt in der Lage sei, mit KI bearbeitet zu werden. Zudem hat ein ausführlicher Prompt für den Arbeitsauftrag ans System bei ihm gleich mal mehrere Dutzend Zeilen und Tausende solcher Prompts können nötig sein, um ein Programm mit rund 400.000 Zeilen an Codes und mehr zu schreiben.

Weil bei Adiscon ein Fokus auch auf der Dokumentation liegt, wird hier viel Zeit investiert. Diese Arbeit vergleicht Gerhards mit dem Hausbau. „Man muss wissen, welche Teile für das Endprodukt benötigt werden. So wird jedes größere Problem in mehrere kleinere zerlegt, bis man schließlich die Einzelteile hat, also das Problem lösbar ist.“

Doch hier hakt der Fachmann ein. „Traue keiner Aussage, die du nicht selbst überprüfen kannst“, ist sein Credo. Die KI könne zwar den Code schreiben, aber letztlich liege die Verantwortung beim Entwickler – „schon allein aus moralischen Gründen, weil die KI nicht haften kann“.

Aus seiner Sicht wurde zwar ein mächtiges Werkzeug erschaffen – aber auch ein riskantes. Gerhards verweist auf die gesellschaftliche Ebene: Viele große Unternehmen verlassen sich auf die KI und kümmern sich zu wenig um den Nachwuchs bei Software-Ingenieuren. Doch ohne die Erfahrung bliebe vieles auf der Strecke und in einigen Jahren fehlten die Fachleute.

KI nicht einfach blind vertrauen

Problematisch sieht er auch, dass viele Modelle „aus den USA“ kommen und „eigentlich intransparent“ bleibt, „was wirklich an Trainingsdaten drin ist“. Dadurch entstehe die Gefahr, dass politische oder gesellschaftliche Sichtweisen subtil mittransportiert würden. Der Entwickler warnt: KI könne zu einer „Maschine werden, die komplett die Meinung mit beeinflussen kann, ohne dass es groß auffällt“. Denn ob eingespeiste Informationen wahr oder falsch sind, könne nur der Mensch entscheiden.

Hinzu kommt, dass Nutzer KI-Inhalte oft zu leicht übernehmen. Dabei gilt gerade hier: „Ich kann nicht einfach alles der KI glauben.“ Denn Modelle verknüpfen teils veraltete, falsche oder widersprüchliche Informationen. Deshalb sagt Rainer Gerhards klar: „KI ist sinnvoll und hilfreich, aber man darf ihr nicht blind vertrauen.“ Sein Beispiel ist der Großrinderfelder See. Darüber gab es kaum Informationen, und die KI hat bei einer Nachfrage eine Wasserlandschaft mit Booten und Strand erfunden. Seit über die Internetseite des Nabu die richtigen Daten veröffentlicht wurden, bleiben solche Fehler aus.

Rainer Gerhards Fazit: „KI ist ein Verstärker. – wer Müll reinfüllt, bei dem kommt unendlich viel mehr Müll raus“. Deshalb braucht es für ihn einen kritischen Umgang, Transparenz und auch bessere europäische Alternativen.

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