Die Alte Schule Laudenbach wird zum Dorfzentrum mit Feuerwehr, Vereinen und Wohnraum. Ein Gemeinschaftsprojekt von Stadt und Firma Hieber.
Von Michael Weber-Schwarz
Laudenbach. Mit der Sanierung der „Alten Schule“ im Weikersheimer Ortsteil Laudenbach entsteht derzeit eines der ambitioniertesten Dorfentwicklungsprojekte im Main-Tauber-Kreis. Das historische Gebäude soll in den kommenden Monaten zu einem multifunktionalen Zentrum umgebaut werden – mit Vereinsräumen, einer Feuerwehrfahrzeughalle, Funktionsräumen sowie barrierefreien Wohneinheiten. Die Stadt Weikersheim verfolgt damit ein Konzept, das historische Bausubstanz erhält und zugleich neue infrastrukturelle Anforderungen im ländlichen Raum aufgreift. Das Besondere dabei: Die Stadt setzt das Vorhaben gemeinsam mit der örtlichen Firma Hieber um – auf Basis klar geregelter Zuständigkeiten.
Es sei ein „ganz besonderes Projekt der strategischen Ortsentwicklung“, sagte Weikersheims Bürgermeister Nick Schuppert beim Spatenstich für das Bauprojekt. Der Weg bis zum Baustart sei steinig gewesen und zugleich „im Interesse aller“. Zunächst schien sich für das ortsbildprägende Gebäude am Ebertsbronner Bach eine tragfähige Lösung abzuzeichnen. Doch die weltwirtschaftliche Entwicklung brachte das Vorhaben ins Wanken: Der Ukrainekrieg führte zu massiven Baukostensteigerungen, die ein erster Baupartner nicht mittragen wollte. Das Projekt schien zwischenzeitlich bereits vor dem Aus zu stehen.
Spontan-Idee aus dem Bauamt
Dann kam eine spontane wie ungewöhnliche Idee aus dem Weikersheimer Bauamt: Michael Blank vom Ressort Hochbau ging auf die „Hieber Installationen und Handel“ zu – wohl wissend, dass das Unternehmen in Laudenbach seine Wurzeln hat. Firmenchef Detlef Hieber bestätigte beim Baubeginn die besondere emotionale Verbindung zum Ortsteil: Sich zu engagieren, sei „keine ganz rationale Entscheidung“ gewesen – „da war auch das Herz dabei“.
Blick auf die politische Seite: Bereits Anfang 2023 hatte der Gemeinderat die ersten konkreten Planungsschritte für das sogenannte „Haus der Vereine“ einstimmig beschlossen. Damals wurde der Einstieg in die Umbau- und Sanierungsplanung offiziell freigegeben; die weiteren Planungen übernahm Architekt Martin Nörpel aus Tauberrettersheim. Die frühere Schule gilt im Ort als identitätsstiftendes Gebäude und prägt den historischen Bereich rund um Zehntscheune und westlichen Ortskern. Weil Vereine, Feuerwehr, Jugendraum und neuer Wohnraum in dem Gebäude zusammengeführt werden sollen, gelten Planung und Abstimmung als entsprechend komplex.
Komplexe Neubelebung statt Abriss
Inzwischen befindet sich das Projekt sichtbar in der Umsetzungsphase. Im Frühjahr hatten die Entkernungsarbeiten begonnen und sind mittlerweile abgeschlossen; das Areal rund um den ehemaligen Schulhof wurde abgesperrt. Die Stadt Weikersheim hatte Rohbau-, Erd- und Abbrucharbeiten vergeben. Aktuell ist das Gebäude bis auf den Rohbau zurückgebaut worden, der nun schrittweise entsprechend der künftigen Nutzungen neu aufgebaut wird.
Die zentrale Rolle im Bereich des Wohnbaus übernimmt die Firma Hieber, die als Investor beziehungsweise Projektpartner der Stadt fungiert. Hieber hat den östlichen Gebäudeteil erworben, in dem die Wohneinheiten entstehen. Die Konditionen mussten dabei genau vertraglich geregelt werden, denn in das Gesamtprojekt fließen öffentliche Gelder – und dafür sind rechtlich abgesicherte Ausschreibungen erforderlich. Bis hinein in bautechnische Schnittstellen bleibt die Stadt federführend; auf den eigenen Flächen kann Hieber die Umsetzung anschließend in eigener Verantwortung übernehmen. Im Zuge des Umbaus soll barrierefrei gebaut werden. Gerade die Verbindung aus öffentlicher Nutzung und modernem Wohnraum gilt in vielen Kommunen inzwischen als zukunftsweisendes Modell für Ortsteile mit brachliegender Altsubstanz. Die frühere Schule soll dadurch nicht nur erhalten, sondern dauerhaft neu belebt werden.
Der größere Blick auf das millionenschwere Gesamtprojekt: Es steht exemplarisch für einen Strukturwandel im ländlichen Raum. Statt historische Gebäude aufzugeben oder abzureißen, werden sie funktional neu gedacht. Vereine erhalten feste Räume, die Feuerwehr eine moderne, am Bedarfsplan orientierte Infrastruktur und zugleich entsteht zusätzlicher Wohnraum mitten im Ortskern – auch im Sinne einer politisch geforderten Verdichtung. Gerade kleinere Gemeinden stehen zunehmend vor der Herausforderung, öffentliche Gebäude wirtschaftlich tragfähig weiterzuentwickeln und gleichzeitig die soziale Infrastruktur zu sichern. In Laudenbach versucht man nun, mehrere Ziele unter einem Dach zu verbinden.
Ein Teil der lokalen Identität
Hinzu kommt die besondere historische Kulisse des Weinorts Laudenbach. Der Weikersheimer Ortsteil hat mit dem Schloss „um die Ecke“ – das um 1576 unter Fürstbischof Julius Echter erweitert wurde –, der nahen Zehntscheune, der markant über dem Ort gelegenen Bergkirche und seinem historischen Ortskern eine lange gewachsene Baukultur. Die Alte Schule fügt sich in dieses Ensemble ein und gilt vielen Einwohnern als Teil der lokalen Identität.
Dass die Sanierung nun mit regionalen Partnern umgesetzt wird, verleiht dem Vorhaben zusätzlich einen wirtschaftsnahen Charakter. Gerade mittelständische Unternehmen aus der Region profitieren von solchen Projekten – zugleich bleiben Investitionen und Wertschöpfung vor Ort.
Genau dieses schlüssige Konzept betont auch Ortsvorsteher Martin Rüttler. Es sei dies für Hieber wohl „kein großes Renditeobjekt“, in seiner Bedeutung für die Ortschaft aber „etwas ganz Besonderes“. Ein altes, neues Quartier im Dorf, das am Ende gerade wegen seiner Multi-Nutzung architektonisch wie sozial interessant sein werde.
Für die Stadt Weikersheim ist die Sanierung daher weit mehr als ein einzelnes Bauprojekt. Vielmehr entsteht in Laudenbach ein Modell dafür, wie kommunale Infrastruktur, Ehrenamt, Wohnen, Jugend und regionale Wirtschaftskraft miteinander verzahnt werden können. Die Alte Schule wird damit künftig nicht mehr nur ein schulischer Erinnerungsort sein, sondern ein neuer Mittelpunkt des Dorflebens – zumal das Areal seit jeher ein zentraler Treffpunkt bei örtlichen Festen ist.













