Werksleiter Stefan Brünner erläutert, wie es um das Werk in Walldürn steht und welche Veränderungen in nächster Zeit auf die Mitarbeiter zukommen.
Von Stefanie Čabraja
Kaum ein Firmenname ist in Walldürn so präsent wie der von Braun – ob als Arbeitgeber oder durch die Produkte, die in unzähligen Küchen und Badezimmern zu finden sind. Werksleiter Stefan Brünner fasst Braun in drei Worten im Gespräch mit den Fränkischen Nachrichten zusammen: „Hingabe, Präzision und Leistung.“
Dennoch steht nun eine große Veränderung im Braun-Werk, vor allem für die Mitarbeiter, unmittelbar bevor: Ab Januar beginnt das Modell der Vier-Tage-Woche. Für Werksleiter Brünner ist dieser Schritt weit mehr als eine neue Schichtplanung. Schon beim Schwesterwerk in Berlin zeigte sich, welche Auswirkungen ein solches Modell habe: Die Krankheitsrate sei dort spürbar gesunken. Auch in Walldürn erwartet man positive Effekte, zumal die Umstellung mit einer deutlichen Reduzierung der Nachtarbeit einhergeht. Parallel dazu wird die Wochenarbeitszeit von derzeit 37,5 Stunden in den kommenden zwei Jahren auf 35 Stunden abgesenkt – bei vollem Lohnausgleich. „Das ist ein Vorteil für die Mitarbeiter“, sagte Brünner.
Veränderungen bedeuten Herausforderungen
Er weiß jedoch auch, um die Herausforderungen. Jede Veränderung rufe zunächst Skepsis hervor, doch sei er überzeugt, dass das neue Modell sowohl den Menschen im Werk als auch dem Standort selbst zugutekommen werde. Dabei sehen die Arbeitszeiten künftig wie folgt aus: Frühschicht von 6 bis 16 Uhr, Spätschicht von 16 bis 2 Uhr nachts. Die Mitarbeiter nehmen diese Umstellung mit gemischten Gefühlen auf.
Dass Braun Walldürn diesen Schritt mit großer Zuversicht geht, liegt auch an der Stärke des Werks. Der Standort gehört zu einem globalen Netzwerk von rund 130 Werken von „Procter & Gamble“ (P&G) und zählt nach dem Bewertungsmaßstab des „Integrated Work System“ zu den besten zehn weltweit. Im vergangenen Jahr wurde Walldürn sogar als bestes Werk Europas ausgezeichnet.
Brünner verweist darauf, dass diese Anerkennung für die Mitarbeiter ebenso wichtig sei wie für die Konzernleitung in Cincinnati und Boston. In Walldürn werden alle Premium-Rasierer und -Epilierer für den Weltmarkt gefertigt – ein Kernbereich, der hohe Anforderungen in den Bereichen Zuverlässigkeit, Qualität und Kosten stellt. Besonders in einem Hochlohnland wie Deutschland müsse ein Werk seine Stärke aus Produktivität, Qualität und technischer Weiterentwicklung schöpfen. „Wir müssen global die Speerspitze der Produktivität sein. Das sichert den Standort“, betonte der Werksleiter.
Braun verfolgt mehrere Nachhaltigkeitsziele
Eine ähnlich strategische Rolle spielt das Thema Nachhaltigkeit, das in Walldürn längst zum festen Bestandteil der Standortentwicklung geworden ist. Seit Jahren wird an einer deutlichen Reduktion von Emissionen, Energie- und Wasserverbrauch gearbeitet – mit sichtbarem Erfolg. Das Werk befindet sich auf einem guten Weg, die Ziele der sogenannten „Ambition 2030“, der globalen Nachhaltigkeitsagenda von P&G, sogar zu übertreffen, fasste Brünner zusammen.
Auch 2040 ist bereits im Blick: Bis dahin soll der Standort klimaneutral arbeiten. Um dieses Ziel zu erreichen, werden Gebäude umfassend modernisiert, alte Strukturen von 1954 Schritt für Schritt erneuert und technische Anlagen so umgerüstet, dass sie Energie effizient nutzen und zurückführen können. Eine Wärmepumpe und eine Photovoltaikanlage in der neuen Lehrwerkstatt, die fast vollständige Umstellung auf LED-Beleuchtung sowie der Bezug von Strom aus erneuerbaren Quellen zeigen, wie breit angelegt das Engagement ist. Manche Überlegungen, wie die Errichtung einer eigenen Biogasanlage, wurden verworfen. Eine Biogasanlage würde ein hohes Lkw-Aufkommen für die Belieferung der verwertbaren Pflanzen sowie einen unangenehmen Geruch bedeuten, erläuterte der Werksleiter.
Bei allen technischen Weichenstellungen, strategischen Bewertungen und internationalen Vergleichen bleibt für den Werksleiter jedoch eines unverändert zentral: die Menschen im Werk. Die Fluktuation ist gering, viele Mitarbeitende bleiben über Jahrzehnte, und neue Stellen entstehen regelmäßig durch Alterswechsel. Genau deshalb setzt er viel Hoffnung in die Vier-Tage-Woche. Weniger Belastung, mehr Regeneration und eine bessere Balance zwischen Beruf und Privatleben sollen nicht nur die Gesundheit fördern, sondern auch die Grundlage schaffen, damit das Werk weiterhin in der Weltspitze bleibt.
Info
- Die Firma Braun ist bereits seit 1954 in Walldürn . Zu Beginn waren 52 Mitarbeiter im Werk beschäftigt. Rund 900 Beschäftigte zählt das Werk aktuell. Stefan Brünner ist seit Januar 2021 Werksleiter.
- Als Braun-Markenprodukte werden verschiedene Elektrorasierer und Epiliergeräte für Herren und Frauen am Standort produziert.
- Verschiedene Ausbildungsmöglichkeiten werden in Walldürn angeboten. Neben dualen Studiengängen wie Elektrotechnik und Maschinenbau sind Lehren in den Bereichen Elektronik, Werkzeug- und Industriemechanik, Kunststoff- und Kautschuktechnologie, Verfahrensmechanik für Beschichtungstechnik sowie Fachinformatik möglich.
- Max Braun gründete „Braun“ 1921 in Frankfurt. Heute ist der Firmensitz in Schwalbach am Taunus.
- Von 1967 bis 2005 gehörte Braun der „Gilette Company“ in Boston, USA, an. Seit 2005 ist die Muttergesellschaft die „Procter & Gamble Company“ in Cincinnati, USA. Als Teil von „Procter & Gamble“ (P&G) gehört Deutschland mit rund 10.000 Mitarbeitenden und dem größten Forschungszentrum des Konzerns außerhalb der USA zu den wichtigsten globalen Innovations- und Produktionsstandorten.












