Rofa-Geschäftsführer Jutta Warmbier und Fabian Friede sprechen über die Veränderung des Mode-Marktes, den Einfluss von Fast Fashion und den Second-Hand-Handel.
Von Heike Barowksi
In einem der Säle hört man das leise Rattern von Nähmaschinen. Amalia Pop näht gerade an einer Wattierung. Im kleinen Nachbarraum drängen sich mehrere Angestellte. Eine Frau in einem braunen, kurzen Blazer läuft wie ein Model langsam hin und her, dreht sich. Alle haben nur Augen für die Jacke. Gerade wird in Werbach der neuen Herbst- und Winter-Kollektion 2026/27 für „White Label by RoFa“ der letzte Schliff verpasst, bevor es an die Frühjahrskollektion 2027 geht. „Barolo-Braun ist die Trendfarbe“, weiß Jutta Warmbier. Webpelz und der englische Landadel-Stil werden sich ebenfalls in den Kollektionen wiederfinden, so die Fachfrau.
An Zusammenarbeit mit ukrainischen Firmen festhalten
Jutta Warmbier hat neben Fabian Friede seit zwei Jahren die Geschäftsleitung der Rofa Group mit Sitz in Werbach inne. „Wir sind Spezialist für Damenjacken aller Art“, erklärt sie. Darunter zählen Blazer, Jacken, Outdoorjacken, Trachtenjacken, Blousons und vieles mehr. Hergestellt werden die Textilien vor allem im asiatischen Raum, aber auch in der Ukraine. „Das ist aktuell nicht einfach“, sagt Fabian Friede. Er stieg nach dem Tod seines Schwiegervaters vor vier Jahren in das Unternehmen ein. „Unsere Produzenten sitzen zwar nicht in den kritischen Gebieten, sondern eher nahe der polnischen Grenze. Mit Verzögerungen in der Logistik, die durch Wartezeiten an der Grenze verursacht werden, müssen wir immer rechnen“, beschreibt er die Situation. Dem Unternehmen sei es dennoch wichtig gewesen, die Arbeiter in der Ukraine trotz des Kriegs nicht hängenzulassen. Schließlich arbeite man seit vielen Jahren mit den fünf Lieferanten zusammen. Umsatzeinbußen habe man nicht, versichert Warmbier.
Das Design der Jacken und Blazer wird überwiegend in Werbach von vier kreativen Mitarbeitenden entwickelt. Die Inspirationen dafür holen sie sich auf Mode- und Stoffmessen, bei Store-Checks und Marktrecherchen, durch den Trendbericht des Deutschen Modeinstituts (DMI) und im Internet. Rofa ist kein Fast-Fashion-Unternehmen. In Werbach setzt man auf modische, hochwertige Klassiker. „Der Anspruch hat sich in den vergangenen Jahren auch bei unserem klassischen Kunden geändert. Die 70-jährigen Damen kleiden sich heute anders als noch vor 30 Jahren. Der modische Anspruch ist deutlich stärker geworden. Darauf müssen wir reagieren. Dadurch finden bei uns inzwischen auch junge Frauen etwas. Das war früher anders“, erzählt Jutta Warmbier.
Die Auswirkungen von Fast Fashion
Aber auch der Wettbewerb auf dem Modemarkt an sich habe sich stark verändert. Stichwort: Fast Fashion (schnelllebige Mode, billig produziert und günstig verkauft). Die Preisaggressivität der Großkonzerne wie „Shein“ wirke sich deutlich auf das Kundenverhalten aus. „Der Kunde weiß einfach nicht, dass ,Temu´ oder ,Shein´ unbedingt Marktanteile gewinnen wollen und deswegen absolut unterkalkulieren, also drauflegen. Das hat nichts mit Nachhaltigkeit und Werten zu tun. Da geht es nur darum, Marktanteile zu generieren. Und das machen die perfekt. Aber diesem Kampf wollen und können wir uns nicht stellen, weil wir einen Anspruch an die Qualität unseres Produkts haben. Wir sind mit ´White Label by RoFa´ im qualitativ höheren Bereich angesiedelt und legen wirklich sehr viel Wert auf die Verarbeitung aller Details.“ Den Einfluss der massiv auf den Markt drängenden asiatischen Konzerne merke man im Unternehmen dennoch, wenn auch eher indirekt, weil der Umsatz der von ihnen belieferten Onlinehändler zurückgehe. Online sei der Kunde deutlich preissensibler als ein Kunde, der im klassischen Einzelhandelsgeschäft kauft. „Die wirtschaftliche Gesamtstimmung führt dazu, dass die Menschen nicht mit dem Geld um sich werfen und somit günstigere Angebote gern angenommen werden. Aber das ist nicht nur in der Mode so, sondern beispielsweise auch im Elektronikbereich. Der Markt entwickelt sich. Diesen Kostendruck hat es schon immer gegeben. Wir haben uns positioniert und bieten ein anderes Produkt an“, sagt Fabian Friede.
Auch wenn die Firma mit ´White Label by RoFa´ eine andere Klientel bedient, bereitet das enorm schnelle Wachstum der Billiganbieter im Internet den beiden Geschäftsführern etwas Sorge. Als probates Gegenmittel nennt Jutta Warmbier vor allem die Aufklärung der Bevölkerung. Dabei gelte es aufzuzeigen, welche Geschäftspraktiken dahinterstecken, wie diese Unternehmen mit Nachhaltigkeit, Ressourcenschonung oder den Arbeitsbedingungen umgehen.
Aufklärung und Steuererhebung
Die Erhebung einer Steuer bei diesen Unternehmen wäre ebenfalls hilfreich. „Das Problem kann man nicht per Gesetz angehen, aber man kann faire Bedingungen für alle schaffen.“ Friede spricht vom kulturellen und gesellschaftlichen Wandel, weg von einer Unbekümmertheit hin zu Bewusstsein und Verantwortung. Dazu gehöre auch, dass man die Konsumkultur hinterfragt. Der Geschäftsführer ist sich allerdings sicher, dass es eine komplette Kehrtwende, also weg von Fast Fashion und Billigelektronik, nicht geben wird. Sie wird seiner Meinung nach ein Bestandteil des Markts bleiben.
Positiv bewertet Friede, dass die großen Plattformen über Secondhand-Handel nachdenken und dieses Modell immer stärker auf den Modemarkt drängt. „Das ist auch der richtige Ansatz für Rofa. Denn wir stellen Produkte mit hoher Qualität her, die durchaus in den Kleiderschrank eines weiteren Besitzers passen.“
Der Weg zum Kunden verändert sich und diesen müsse man mitgehen, so Friede. Das bedeutet, dass Jacken, Blazer oder Kleider von Rofa inzwischen auch auf vielen digitalen Marktplätzen wie Amazon oder About You zu finden sind. „Das ist ein Verkaufsmodell, das immer stärker genutzt wird und gut funktioniert“, sind sich Fabian Friede und Jutta Warmbier einig.
Großer Vorteil: langjährige Betriebszugehörigkeit
Probleme mit Fachkräftemangel habe man in Werbach übrigens keine. „Unser Profit ist eine wirklich langjährige Betriebszugehörigkeit“, sagt die Geschäftsführerin und spricht von Mitarbeitenden, die seit mehr als 30 Jahren im Unternehmen sind. Wie familiär das Unternehmen aufgestellt ist, merkt man sofort beim Rundgang. Denn Jutta Warmbier kommt mit jedem sofort ins Gespräch, kennt dessen Namen, weiß um die Familienverhältnisse und manchmal auch um dessen Probleme.
Daten und Zahlen
- 1957 gründete Rosi Faller das Unternehmen Rofa, dessen Bezeichnung sich aus den Anfangsbuchstaben ihres Namens zusammensetzt. Zu Beginn wurde Mädchenkleidung hergestellt. In den 70er-Jahren änderte sich das Sortiment. Ab dann wurden hochwertige Blazer, Jacken und Mäntel für Damen hergestellt. Vor ein paar Jahren ist die Produktion von Kleidern als zweites Standbein dazugekommen. Markenname: White Label by RoFa .
- Beliefert werden Händler wie Breuninger, Peter Hahn, Madeleine, oder About You und vor allem kleine Einzelhändler. Insgesamt stehen rund 1000 Kunden in Europa auf der Lieferliste des Unternehmens.
- Die Firma zählt 60 Mitarbeiter, davon sind 70 Prozent Frauen. Die Entwicklung der Kollektion und das Schneidern von Musterteilen findet hauptsächlich in Werbach statt. Die Produkte werden zu 80 Prozent von Produzenten in China und zu 20 Prozent von Produzenten in Osteuropa hergestellt, die in die Prozesse zwar integriert, aber eigenständige Unternehmen sind. Pro Jahr werden zwei Haupt-Kollektionen herausgebracht, mit je 170 Teilen.
- In Werbach gibt es einen Werksverkauf . Die Jacken, Blazer und Mäntel sind online unter www.whitelabel-online.de zu finden.












