Vom Garagen-Start zum Global Player – Hollenbacher Teamausrüster erreicht angepeilte 200 Millionen Euro Umsatz.
Von Michael Weber-Schwarz
Was im Jahr 1989 in einer kleinen Garage im 80-Seelen-Dorf Stachenhausen begonnen hat, ist heute ein international bekanntes Familienunternehmen: Der Sportartikelhersteller „Jako“ im Mulfinger Ortsteil Hollenbach hat erstmals die Umsatzmarke von 200 Millionen Euro geknackt. Das berichtete Tobias Röschl, Vorstand Marketing und Vertieb, der FN-Redaktion in einem aktuellen Vor-Ort-Gespräch.
Rund 60 Millionen Euro investiert der Teamausstatter derzeit in eine Erweiterung am Standort. Eine große Brücke verbindet den Bestand mit dem Logistik-Neubau. Das knapp 8.000 Quadratmeter große Gebäude wird neben einem hochmodernen Behälterlager alle Logistik-Bereiche vom Wareneingang bis zum Versand enthalten. Die Fertigstellung des Bauprojekts ist nach Unternehmensangaben für Anfang 2027 geplant.
Gegründet hat Rudi Sprügel, ehemaliger Spieler der Würzburger Kickers, das Unternehmen, indem er Trikots und Trainingsanzüge an lokale Vereine verkaufte. Der Name „Jako“ verweist auf die Flüsse Jagst und Kocher – ein Stück Heimat, das Sprügel stets im Blick behielt. Es sei in der Gründerzeit durchaus ein wenig chaotisch zugegangen, erinnert sich der Unternehmer an die wilden ersten Jahre, als er zwischen Kunden-Events und Lieferungen jonglierte und gleichzeitig seine Töchter großzog. Das Gründungsnarrativ liest sich gut, griffig und wird auch gepflegt: Vom Garagen-Start zum Fußball-Powerhouse, das prägt sich ein. „Corporate Teamwear“ sei weiter ein Wachstumsfeld, sagt Tobias Röschl – aktuell arbeite man u.a. verstärkt am französischen Markt. Außerdem: Der emotional aufgeladene Bereich „Merchandising“ habe sich in den vergangenen Jahren als „absoluter Wachtumstreiber“ erwiesen.
Mittlerweile rund 400 Mitarbeiter
Heute leiten Sprügels Töchter das Unternehmen: Nadine Sprügel ist Vorstandsvorsitzende, Yvonne verantwortet Finanzen und Personal. Gemeinsam haben sie Jako zu einem Unternehmen mit rund 400 Mitarbeitenden entwickelt, das nicht nur national, sondern zunehmend auch international für Aufsehen sorgt. Ein besonderer Erfolgsfaktor sei der Hohenloher Teamgeist, betonen die Sprügels. Viele Mitarbeitende wurden selbst ausgebildet, und der tägliche Umgang miteinander präge die Unternehmenskultur ebenso wie langfristige Beziehungen zu Händlern und Lieferanten.
Ein Meilenstein war der Einstieg beim Fußball-Bundesligisten VfB Stuttgart, wie Röschl im Gespräch mit der FN-Redaktion festhält. Im Jahr 2019 ist es Jako erstmals gelungen, die schwäbischen Profis auszurüsten, 2022 folgte sogar ein Investment von vier Millionen Euro in den Traditionsverein. Daneben stattet Jako auch Clubs wie FSV Mainz 05, Rot-Weiss Essen und Preußen Münster aus.
Komissionierung mit Robotik-Unterstützung
Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen gewinnt Jako aus dreißig bis vierzig Kilometer Umkreis rund um Hollenbach. „Spezialisten“, so Röschl, kommen auch von weiter her, zum Beispiel aus dem Stuttgarter Raum. Auch er selbst sei wegen des interessanten und spannenden Arbeitsfelds in die Hohenloher Region umgezogen. Trotz der erreichten Größe verstehe man sich weiter als Familienunternehmen mit persönlicher Kundenbindung und äußerst schneller Verfügbarkeit von Produkten – die sich mit kommenden, stark automatisierten Kommissionierungsprozessen noch weiter verbessern soll.
Parallel zur Unternehmensführung engagiert sich die Familie Sprügel sozial: Die Rudi Sprügel Stiftung fördert Fußball-AGs an Schulen und will Bewegung, Teamgeist und soziale Kompetenzen von Kindern stärken. Seit der Übergabe des Vorstandsvorsitzes an die Töchter vor einigen Jahren hat Rudi Sprügel mehr Zeit für Privatsport und Enkel – doch sein Herz schlägt weiterhin für den Fußball und die Nachwuchsförderung.
Das passende Outfit für jedes Team: Mit mehr als 30.000 Artikelvarianten in bis zu 26 Farben und Größen kann Jako „jeden Verein, jedes Unternehmen und jede Organisation einheitlich und individuell ausstatten“.
Forschung an „Zirkulärer Textilwirtschaft“
In Sachen Nachhaltigkeit und Recycling sieht sich Jako gut aufgestellt: Schon beim Neuprodukt werden recycelte, bzw. recyclingfähige Materialien eingesetzt. Man arbeite entlang der gesamten Lieferkette daran, Textilien fair und ökologisch nachhaltiger zu fertigen. Dabei setze man zunehmend auf recycelten Polyester und Bio-Baumwolle, heißt es vom Unternehmen.
Unter dem Stichwort „The Key“ arbeitet Jako als einer von acht Projektpartnern aus Forschung und Industrie am Ziel einer „zirkulären Textilwirtschaft“. Eingebunden in die Forschungen ist auch die Technische Universität Braunschweig.












