Das ebm-papst-Gruppe meldet Zahlen für das Geschäftsjahr 2025/26, darunter ein Umsatzplus von sechs Prozent.
Von Simon Retzbach
Die ebm-papst-Gruppe, Weltmarktführer im Bereich der Ventilatortechnik, hat im Geschäftsjahr 2025/26 (1. April 2025 bis 31. März 2026) mit sechs Prozent ein Umsatzwachstum „trotz eines weiterhin herausfordernden geopolitischen und wirtschaftlichen Umfelds“ erzielt. Das teilt Geschäftsführer Dr. Klaus Geißdörfer im Rahmen der Jahrespressekonferenz mit.
Das Familienunternehmen sei „auf einen klaren Wachstumspfad zurückgekehrt“. Im Wesentlichen entstehe dieses Wachstum aus dem Kerngeschäft der Luft- und Heiztechnik, dem boomenden, dem stark wachsenden Datacenter-Geschäft sowie einem konsequenten Einsatz Künstlicher Intelligenz. „Künstliche Intelligenz ist für ebm-papst kein Zukunftsthema – sie ist Realität und zentraler Treiber unseres Geschäfts“, erklärte CEO Dr. Klaus Geißdörfer auf der Jahrespressekonferenz in Mulfingen. „Sie beeinflusst, wie wir Produkte entwickeln, wie wir Energie effizienter nutzen, wie wir Systeme intelligenter machen – und auch, wie wir uns als Organisation weiterentwickeln.“
Transformationsprozess seit 2022 mit Erfolgen
Das Unternehmen befindet sich nach Darstellung der Verantwortlichen seit 2022 in einem Transformationsprozess, bei dem man nun langsam Früchte in Form von steigenden Umsätzen erntet. Zuvor hatte ebm-papst durch das Abstoßen von Geschäftsfeldern wie etwa der Antriebstechnik deutliche Umsatzeinbußen von teils über zehn Prozent im Jahresvergleich hinnehmen müssen. Doch das gehört der Vergangenheit an. Die sechs Prozent Wachstum im vergangenen Jahr sollen nur der Auftakt weiterer positiver Zahlen sein, noch vor 2030 will das Unternehmen die Schallmauer von drei Milliarden Euro beim Umsatz knacken. Doch die entscheidende Frage, ob und in welchem Ausmaß das Unternehmen überhaupt profitabel ist, lässt Finanzvorstand Harald Klaiber weitgehend offen. Die Zahlen hätten „das richtige Vorzeichen“ gehabt, deutet er schwarze Zahlen in unbekannter Höhe an.
Der deutsche Markt ist schwierig, sonst deutliches Plus
Bei den Zahlen zeigt sich eines jedenfalls ganz deutlich: Deutschland ist für das Mulfinger Unternehmen wohl der schwierigste aller Märkte momentan. Während Geißdörfer immer wieder auf Wachstum und Chancen in Amerika und Asien eingeht, sieht es auf dem Heimatmarkt deutlich schlechter aus. Ein Minus von 15 Prozent, auch beeinflusst durch das Abstoßen von Geschäftsfeldern, steht hier zu Buche, während die Zahlen sonst weltweit nach oben gehen. Gründe hierfür seien vor allem „die anhaltende Investitionszurückhaltung sowie Unsicherheiten im wirtschafts- und energiepolitischen Umfeld.“
Der Ansatz von ebm-papst, „local for local“, betont die Bedeutung von lokaler Wertschöpfung. Vereinfacht gesagt: Direkt beim Kunden produzieren. Oder anders: Wer für die Produkte bezahlt, soll auch in Gestalt von Produktionsstätten und Arbeitsplätzen profitieren. Demzufolge müsste die Zukunft für die deutschen Standorte, darunter Niederstetten, Hollenbach und die Zentrale in Mulfingen, eigentlich eher düster aussehen.
Doch dem widerspricht Geißdörfer. „Wir suchen auch hier in der Region Arbeitskräfte“, macht er deutlich. So hat das Unternehmen seine Produktion in Hollenbach erweitert und Arbeitsplätze „im unteren dreistelligen Bereich“ geschaffen. Hintergrund ist die stark wachsende Nachfrage nach Ventilatoren insbesondere für Rechenzentren. Auch der Mulfinger Weltmarktführer profitiert also vom starken Boom rund um KI, der weltweit vor allem die großen Technologieunternehmen teils rasant wachsen lässt.
An Standorten in der Region „tut sich einiges“
„Die Produktion in Hollenbach ist extrem stark ausgelastet“, so Dr. Geißdörfer. Hier würde aktuell Personal aus den Standorten in Niederstetten und Mulfingen unterstützen, teils kommen sogar Mitarbeiter aus der Verwaltung dort zum Einsatz. Zusätzlich würden wieder die sogenannten Ferienjobber in größerer Zahl gesucht, um den enormen Bedarf zu decken.
„Die drei Standorte in der Region – Mulfingen, Hollenbach und Niederstetten – sehen wir letztlich als einen Standort“, beschreibt der Geschäftsführer. Personal werde flexibel hin- und hergeschoben und insgesamt „tut sich dort einiges“. So ist das Werk in Niederstetten beispielsweise die Kulisse für ein unternehmensweites Pilotprojekt, bei dem bereits gebrauchte Ventilatoren durch neue Teile wieder aufgearbeitet werden. Mit dieser Art von Kreislaufwirtschaft soll der CO2-Fußabdruck deutlich verringert werden. Außerdem würden in Niederstetten neu entwickelte Ventilatoren in Betrieb genommen. In Hollenbach gab es in der Vergangenheit bereits Investitionen in Millionenhöhe für spezielle Arbeitsbereiche zur Entwicklung und Fertigung von Spezialteilen.
Doch insgesamt wird deutlich: Die großen Investitionen laufen momentan eher außerhalb Deutschlands. Ein großes Werk mit 1.500 Arbeitsplätzen entsteht derzeit in China, in Indien ist ein neues Werk für 700 Mitarbeiter geplant. In Amerika soll ein bestehender Standort deutlich erweitert werden. Allein in diese drei Projekte investiert ebm-papst insgesamt knapp 100 Millionen Euro. Auch die Zahl der Arbeitsplätze im Ausland überwiegt bereits seit Jahren die der inländischen Arbeitsplätze.
Insgesamt präsentiert sich der Weltmarktführer äußerst selbstbewusst. „Die finanzielle Basis der Gruppe ist grundsolide und das verschafft uns die finanzielle Flexibilität, die nächsten Wachstumsschritte aus einer Position der Stärke heraus zu gestalten“, so Finanzchef Klaiber. Weil sich KI ohne entsprechende Lüftungstechnik nicht entwickeln könne, sieht sich das Unternehmen hier in einem vielversprechenden Zukunftsmarkt. Entsprechend ehrgeizig auch die Ziele für die Zukunft: Ein Umsatzwachstum von zehn Prozent soll es im Geschäftsjahr 2026/27 geben. „Wir haben den Kurs korrigiert, wir haben fokussiert und wir haben umgesetzt“, ist der Geschäftsführer überzeugt. „Heute stehen wir wieder mit voller Kraft im Markt.“
ebm-papst in Zahlen:
- Umsatz in 2025/26: 2,236 Milliarden Euro
- Ausgaben für Forschung und Entwicklung : 142,7 Millionen Euro (Anteil am Umsatz rund 6,4 Prozent)
- Rund 13.000 Mitarbeiter sind an knapp 30 Produktionsstandorten sowie in etwa 50 Vertriebsniederlassungen für das Unternehmen tätig
- Gesamtwachstum : 6 Prozent, im Kerngeschäft Lüftungstechnologie 12 Prozent
- Rund 20.000 verschiedene Produkte sind im Portfolio













