• Spotlight24
  • 5Allgemein
  • 5Bericht
  • powered by
  • Icon List Item

Mit Nischenprodukten im Internet zu einem Millionenumsatz

März 12, 2026 | Allgemein

Die Geschäftsführer Markus Wiese (links) und Kai Schifferdecker (rechts) haben mit ihrer Firma Absina im IGO neue Räume bezogen. Georg Schifferdecker (Mitte) berät die Jungunternehmer. © Martin Bernhard

Die Buchener Firma Absina vermarktet Artikel erfolgreich online. Kürzlich hat sie einen Neubau im IGO bezogen.

Von Martin Bernhard

In großen Buchstaben prangt der Firmenname an der neu errichteten Lagerhalle der Firma Absina. Der Neubau in der Max-Born-Straße, hinter Obi und E-Center gelegen, hat vier Millionen Euro gekostet und bietet rund 700 Quadratmeter an Büro- sowie 2.100 Quadratmeter an Lagerfläche. Doch entscheidender als der Bekanntheitsgrad vor Ort der vor sechs Jahren gegründeten Firma ist ihre Sichtbarkeit im Internet. Dort erwirtschaftete das Unternehmen im vergangenen Jahr einen Jahresumsatz von rund elf Millionen Euro.

Wie das funktioniert, erläutern die beiden Geschäftsführer Kai Schifferdecker (29 Jahre) und Markus Wiese (32) dieser Zeitung am Beispiel eines Rasenkantenschneiders. Zunächst werteten Absina-Mitarbeiter die Daten von Suchabfragen auf Online-Marktplätzen wie Amazon aus. Dabei stellten sie fest, dass signifikant häufig nach Rasenkantenschneider gesucht wurde. „Wir sind darauf spezialisiert, Nischenprodukte zu finden und zu vermarkten“, erläutern Schifferdecker und Wiese das Geschäftsmodell ihrer Firma. Das Unternehmen ließ daraufhin einen Prototypen in China fertigen und testete diesen in Buchen. Derzeit lässt das Buchener Unternehmen 5.000 Rasenkantenschneider in China produzieren, die im Mai auf den Markt kommen sollen.

Hier erstellt Tobias Kern Bilder von dem Rasenkantenschneider im Einsatz. © Martin Bernhard

Aus Konstruktionsdaten entstehen Bilddateien

Tobias Kern führt das mechanische Gartengerät vor. Damit kann man Gras zum Beispiel an Übergängen zu Wegen kürzen. Am Computer erzeugt Kern aus Konstruktionsdaten Bilddateien. Dieser Vorgang kann vier bis acht Stunden lang dauern. Mittels Künstlicher Intelligenz (KI) entstehen innerhalb weniger Minuten Produktbilder im Anwendungsbereich. So sieht man zum Beispiel, wie eine äußerst realistisch anmutende Figur den Rasentrennschneider entlang eines Weges einsetzt. Auch Videos lassen sich auf diese Weise erzeugen. Schifferdecker und Wiese sprechen hier von einem „digitalen Photostudio“, das ganz ohne Fotograf und Model funktioniert.

„Wir haben einen genau definierten Workflow“, erläutert Markus Wiese. Jetzt geht es darum, den Artikel online zum Kauf anzubieten. Ein sogenannter „Marktplatzmanager“ stellt Texte und Bilddateien bei Amazon und bei anderen Marktplätzen wie Ebay, Kaufland und Otto ein. Absina-Produkte sind in etwa 30 Ländern erhältlich. Mittels KI werden die Texte übersetzt. Damit die Produkte bei Google und auf den Online-Marktplätzen möglichst weit oben gelistet werden, gibt Absina jährlich einen sechsstelligen Betrag für Werbung aus. Drei bis vier Mitarbeiter kümmern sich ausschließlich um Online-Marketing. Ein Mitarbeiter ist für den Kundenservice zuständig. Bei erklärungsbedürftigen elektronischen Geräten wie Wallboxen hilft diese Person dem Kunden auch telefonisch weiter.

Ein Produkt im Absina-Angebot: Ein elektronischer „Marderschreck“ für Kraftfahrzeuge. © Martin Bernhard

Absina verkauft insgesamt rund 250 Produkte – etwa 90 Prozent davon sind eigene. Sie werden ausschließlich online vermarktet. „Großhandelsstrukturen fallen mehr und mehr weg“, erläutert Georg Schifferdecker (60), Vater von Kai, der die beiden Geschäftsführer berät. Zwischen dem Hersteller und dem Endkunden stehen nur noch Unternehmen wie Absina und der Online-Marktplatz. Bei Amazon kauft das Buchener Unternehmen auch die Versanddienstleistung ein. So liegen die Absina-Produkte europaweit in Logistikzentren des amerikanischen Online-Marktplatzes und werden von dort direkt an die Kunden verschickt. Um jedoch nicht völlig abhängig von Amazon zu sein, hat man auch Versandstrukturen in Buchen aufgebaut. Die Hochregallager in der neuen Lagerhalle sind gut gefüllt. Dort lagern alle Produktarten, die man auch online anbietet, um bei Lieferverzögerungen durch Amazon selbst schnell verschicken zu können.

Mehr als 85 Prozent der Produkte verkaufen sie über Amazon. „Wir gehören zu den Top 75 Amazon-Sellern, bezogen auf die Menge, die wir bei Amazon verkaufen“, sagt Georg Schifferdecker (60), der die beiden Geschäftsführer berät. „Unser Ziel ist es, unter die Top 50 zu kommen. Denn wenn man zufrieden ist, bleibt man stehen.“

Von Stehenbleiben kann bei Absina bisher keiner Rede sein. Das Unternehmen startete Mitte 2020 in 200 Quadratmeter großen Räumen und fünf eigenen Produkten in Osterburken. Nach einer Zwischenstation im ehemaligen Möbelhaus „Living XXL“ zog es im Dezember in den Neubau um, der so erstellt wurde, dass ein weiteres Wachstum möglich ist. Derzeit arbeiten dort 23 Personen, darunter ein Auszubildender und zwei Studenten der Dualen Hochschule Baden-Württemberg in Mosbach. Nur wenige Mitarbeiter sind über 30 Jahre alt. Jährlich beliefert Absina 750.000 Haushalte; von Buchen aus werden etwa 100.000 Pakete im Jahr verschickt. Das junge Unternehmen verzeichnet ein jährliches Umsatzwachstum von 15 bis 20 Prozent.

Die Idee zur Firmengründung entstand, nachdem Georg Schifferdecker, der Vorstand bei einem Mittelständler in der Region war, 2018 aus diesem Unternehmen ausgeschieden war, in einem Alter, in dem man eigentlich nicht in den Ruhestand geht. Er verfügt über ein großes Netzwerk an Lieferanten in Asien. Sein Sohn Kai hatte ein Duales Studium in BWL und Handel absolviert. Die berufliche Expertise von Markus Wiese liegt im Bereich E-Commerce. So lag es nahe, die Kompetenzen zu bündeln und ein eigenes Unternehmen zu gründen.

Für rund vier Millionen Euro hat Absiina im Gewerbegebiet IGO einen Neubau errichtet. © Martin Bernhard

Das Produktportfolio wuchs rasant

Anfangs vermarktete man nur sieben eigene Produkte. Um mehr Umsatz zu generieren, bot man als Dienstleistung anderen Unternehmen an, für sie ihre Produkte online zu verkaufen. Doch das Produktportfolio von Absina wuchs rasant. Man machte sich einen Namen vor allem in den Bereichen Elektromobilität und Ladetechnik. Inzwischen hat man die Marke „Greate“ geschaffen, unter der man Gartengeräte wie den Rasenkantenschneider und Baumarktartikel verkauft. Außerdem entwickelt Absina für andere Unternehmen Produkte und lässt sie in Fernost fertigen. Und auch den Online-Verkauf an Endkunden übernimmt das Buchener Unternehmen für andere Firmen, zum Beispiel für Dr. Beckmann (Wäschepflege und Reinigung) und „Mann & Schröder“ (Kosmetik- und Körperpflegeprodukte).

Die Vision der drei Unternehmensgründer ist weiterhin auf Wachstum gerichtet. So wollen sie bald auch in den USA über Amazon ihre Produkte verkaufen.

Mehr Informationen findet man unter www.absina.com im Netz.

DIESEN ARTIKEL TEILEN

Unternehmen im Spotlight

Mehr zu diesem Unternehmen